Politik

Politbarometer Mehrheit zweifelt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer Kanzlerkandidatin wird / In der Rangliste auf dem letzten Platz

AKK steckt im Umfragetief

Archivartikel

Mannheim.Der Parteitag in Leipzig hat der CDU/CSU keinen Rückenwind verliehen. In der Sonntagfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen kommen die Unionsparteien nicht vom Fleck und erzielen nur 27 Prozent. „Das ist kein Wunder. Der CDU-Parteitag war ja kein Aufbruch, sondern eine verhinderte Katastrophe. Der Aufstand der Rebellen gegen die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ist zwar ausgeblieben, dafür war aber ein großer Kraftakt nötig“, sagt Matthias Jung von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.

Markus Söder im Aufwind

AKK hat mit der Vertrauensfrage fast schon ihre letzte Patrone verschossen, um die Rebellion im Keim zu ersticken. Aber die Debatte über ihre Qualifikation dürfte deshalb nicht abebben. Die Zahlen im aktuellen Politbarometer sind für sie jedenfalls katastrophal. Nur ein Viertel der Befragten meint, dass die Position Kramp-Karrenbauers als CDU-Chefin nach dem Parteitag gestärkt sei. Selbst im eigenen Lager sind es nur 34 Prozent. Fast drei Viertel aller Befragten und knapp zwei Drittel der Unionsanhänger bezweifeln, dass AKK die CDU erfolgreich in die Zukunft führen kann. Und nur 36 Prozent aller Befragten (CDU-Anhänger: 58) glauben, dass die Parteivorsitzende die nächste Kanzlerkandidatin der Union wird.

Daher ist es für die Verteidigungsministerin nur ein schwacher Trost, dass sich ihr grottenschlechter Wert bei der Beurteilung der zehn wichtigsten Politiker minimal verbessert hat. Auf der Skala von plus fünf bis minus fünf kommt sie auf minus 0,5, Anfang November waren es minus 0,7. AKK ist damit die unbeliebteste Politikerin in der Rangliste der Forschungsgruppe.

Ihre möglichen Konkurrenten als Kanzlerkandidaten – Jens Spahn und Friedrich Merz – sind neu in der Liste. Sie schneiden mit einem Wert von plus 0,3 deutlich besser ab und belegen gemeinsam den sechsten Platz. Einen Rang besser steht CSU-Chef Markus Söder da. „Bayerns Ministerpräsident hat kapiert, dass der frühere Konfrontationskurs der CSU in der Flüchtlingspolitik der falsche Weg war. Er hat die CSU jetzt neu aufgestellt und pflegt die Harmonie zur Schwesterpartei. In Leipzig wurde er sogar für seinen modernen und mitreißenden Auftritt umjubelt“, analysiert Jung.

Kein Wunder, dass Söder inzwischen sogar als Kanzlerkandidat gehandelt wird. „Diese Frage drängt sich gegenwärtig nicht auf“, sagt der Wahlforscher. „Aber Söder ist natürlich ein wesentlicher Akteur im Unionslager.“ Bisher hat es mit Franz Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002) erst zwei Kanzlerkandidaten aus der CSU gegeben. Beide scheiterten. Vor allem im Norden Deutschlands schnitten sie nicht besonders gut ab. „Das Image der CSU ist in letzter Zeit durch Horst Seehofer nachhaltig beschädigt worden, das hat auch auf das schlechte Wahlergebnis bei der Bundestagswahl 2017 abgefärbt“, sagt Jung.

Während die CDU schon seit einem Jahr eine neue Parteichefin hat, die allerdings meistens für schlechte Schlagzeilen sorgt, ist das bei der SPD anders. Das Kandidaten-Cas-ting nach Andrea Nahles’ Rücktritt dauert eine gefühlte Ewigkeit. „Kein Wunder, dass die SPD nicht Tritt fassen kann und in der Befragung auf 13 Prozent fällt. Der Wähler weiß nicht, welchen Kurs sie einschlagen will“, sagt Jung. An diesem Samstag wird endlich das Ergebnis der Mitgliederabstimmung veröffentlicht. „Diese ist ein partieller politischer Selbstmord mit einer Monate sich hinziehenden Agonie“, kritisiert der Experte.

Ob sich nach der Wahl der SPD-Doppelspitze etwas an der politischen Großwetterlage für die Sozialdemokraten ändern wird, muss sich noch zeigen. Ähnlich wie schon vor drei Wochen kann die Mehrheit der Befragten allerdings nicht beurteilen, welches Kandidatenpaar besser für die SPD wäre. 25 Prozent aller Befragten und 38 Prozent der SPD-Anhänger favorisieren das Team Olaf Scholz und Klara Geywitz, 13 beziehungsweise 22 Prozent Norbert Walter Borjans und Saskia Esken.

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