Politik

Datenschutz Gutachten des Wissenschaftlichen Dienst warnt Eltern vor Sprachhilfen

„Alexa“ – riskant für Kinder

Berlin.„Alexa, wie wird das Wetter heute?“ Der Umgang mit dem vernetzten Lautsprecher von Amazon ist kinderleicht. Doch was passiert, wenn tatsächlich Kinder mit dem Sprachassistenten kommunizieren?

Mit diesem Thema hat sich aktuell der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags beschäftigt. Der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann hatte die Frage aufgeworfen, ob es zulässig ist, dass Amazon die Spracheingaben der „Alexa“-Nutzer auswertet.

Die Antwort der Rechtsexperten im Bundestag fiel zwiespältig aus. Zum einen bescheinigte der Wissenschaftliche Dienst dem US-Konzern, sich an zentrale Bestimmungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu halten. Das betrifft die Frage, ob Amazon die Anwender ausreichend über die Datenverarbeitung informiert und nach ihrer Einwilligung fragt. In einem anderen Bereich sehen die Experten aber Probleme.

Diebstahl möglich

Die Risiken betreffen nach Einschätzung der Wissenschaftler vor allem Minderjährige und unbeteiligte Gäste, die ein mit „Alexa“ bestücktes Smart Home besuchen. Konkret geht es darum, dass Kinder persönliche Informationen preisgeben oder mit ihrer Stimme Inhalte abrufen könnten, die für Minderjährige nicht geeignet sind. Außerdem stellt sich die Frage, was mit Besuchern ist, die nicht wissen, dass die Software gerade aufzeichnet. Mit Blick auf die USA sei außerdem unklar, „zu welchen weiteren Zwecken Amazon seine Daten zukünftig nutzen könnte“, heißt es in dem Gutachten. Auch ein Datendiebstahl aus dem virtuellen Speicherplatz Amazon Cloud könne nicht ausgeschlossen werden.

Das Bundesinnenministerium fühlt sich in der Sache nicht zuständig. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage: „Die Nutzung der Sprachassistenten betrifft Datenverarbeitungen durch nichtöffentliche Stellen.“ Für diese lasse die Datenschutz-Grundverordnung der EU den nationalen Gesetzgebern so gut wie keinen Regelungsspielraum.

„Wir müssen darauf dringen, dass die Einwilligungserklärung für den Nutzer auf die Gefahren und Möglichkeiten, die mit der Übertragung und Nutzung der Daten sowie der Daten von Dritten, die sich zufällig im Raum befinden, hinweist“, sagt der Bundestagsabgeordnete Kamann, der das Gutachten angefordert hatte. Dies müsse detailliert erfolgen, „und nicht, indem man nur einmal ein Häkchen für alles setzt“. Der Wissenschaftliche Dienst hält fest: „Angaben zur Speicherungsdauer sind in den Nutzungsbedingungen von Amazon nicht ersichtlich.“

Kamann hatte gezielt nach „Alexa“ gefragt. Er betont jedoch: „Bei allen sprachbasierten Aufzeichnungssystemen gibt es diesen kritischen Punkt.“ Laut einer aktuellen Studie kommen die Sprachassistenten besonders häufig im familiären Bereich zum Einsatz.

Amazon weist Skepsis zurück

Die „Alexa“-Software sendet erst dann Sprachdaten an Amazon, wenn der Nutzer ein Aktivierungswort ausspricht – zur Auswahl stehen „Alexa“, „Computer“, „Echo“ oder „Amazon“. Im Regelfall sind die aufgezeichneten Sprachhappen nur wenige Sekunden lang. Man kann mit „Alexa“ aber auch Sprachnachrichten verschicken, die häufig auch sensiblere Themen berühren können.

Kritisch sieht die Grünen-Abgeordnete Renate Künast die neuen digitalen Möglichkeiten: „Die Verknüpfung von Social-Media-Profilen mit den Daten der Stimmerkennung ist für die Konzernlenker von Amazon und Google ein Schatz, den sie bisher ohne politische Gegenwehr erbeuten können.“ Sie forderte die Bundesregierung auf, „den Verbraucherschutz und insbesondere den Schutz von Kindern im digitalisierten Alltag endlich ernst zu nehmen“.

Amazon kann diese Skepsis nicht nachvollziehen: Die Stimmprofile werden einem Sprecher zufolge nur genutzt, „um das individuelle Nutzererlebnis zu verbessern“.

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