Politik

Alle mit derselben Flagge

Archivartikel

Paris.Rassismus-Vorwürfe gegen Fußballer kennt auch WM-Sieger Frankreich zur Genüge. Den Ausschluss des skandalumwitterten Spielers Karim Benzema aus der Nationalelf im vergangenen Jahr sah dessen früherer Teamkollege Samir Nasri rassistisch begründet. Und nach dem Trainingsboykott der „Bleus“ bei der WM in Südafrika 2010, auf den das frühe Aus folgte, richtete sich die Wut mancher Fans besonders gegen Spieler mit Migrationshintergrund.

Der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen vom Front National bezeichnete einmal die „Proportion der farbigen Spieler“ als übertrieben. Demgegenüber war nach dem WM-Triumph im Jahr 1998 gerade die Multikulturalität des französischen Teams unter dem Schlagwort „black – blanc – beur“ („Schwarz – Weiß – Arabisch“) als Erfolgsmodell gepriesen worden.

In der aktuellen Siegesstimmung möchte man gar nicht konfrontiert werden mit Diskussionen über die hohe Zahl schwarzer Spieler in der Nationalelf, mit gehässigen Kommentaren in sozialen Netzwerken oder aus dem Ausland – wie jenem von US-Moderator Trevor Noah oder der italienischen Zeitung „Repubblica“, Afrika habe die WM gewonnen. Spitzen-Kicker Benjamin Mendy schloss die Debatten mit einem Tweet, in dem er alle Nationalspieler auflistete mit der zugehörigen Flagge. Und zwar der französischen, für alle.