Politik

Klimagipfel Rund zwei Drittel der in Madrid vorliegenden staatlichen Aktionspläne bleiben hinter den Pariser Klimazielen zurück

Alle reden – kaum einer tut was

Madrid/Berlin.In Madrid hat am Montag die 25. Weltklimakonferenz begonnen, aber das Jubiläum mag dort niemand feiern. Wetterextreme haben in diesem Jahr drastisch vor Augen geführt, was der Menschheit blüht, wenn die Erderhitzung nicht eingedämmt wird: mehr gigantische Wirbelstürme wie über Ostafrika, verheerende Waldbrände wie in den USA und Australien und weiter dramatisch schwindende Eismassen an den Polen und in den Gletschergebieten. Wo steht die Welt in Sachen Klimaschutz? Fragen und Antworten dazu.

Ist die weltweite Lage in Sachen Klima wirklich so düster?

Ja. Trotz aller Anstrengungen beschleunigt sich die Erderhitzung zurzeit nämlich sogar noch. Bereits jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende dieses Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad, wie das UN-Umweltprogramm Unep dieser Tage vorgerechnet hat. Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass bei einem ungebremsten Klimawandel die Meeresspiegel schon bis Ende dieses Jahrhunderts um mehr als einen Meter steigen könnten. Schon kurzfristig drohen vielerorts Wasserknappheit und Ernteausfälle, mit Konsequenzen wie Hungersnöten und massiven Fluchtbewegungen.

Wie sieht es bei uns in Deutschland aus?

Ein im November veröffentlichter neuer Monitoringbericht der Bundesregierung weist nach, dass sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht hat. Die Folge: Auch in Deutschland wird das Wetter extremer. Je nach Region kann das mehr Hitze, mehr Starkregen oder auch mehr Hochwasser bedeuten. So haben etwa die Menschen im Nordosten dieses Jahr unter dem zweiten heißen Dürresommer in Folge geächzt. Auch in den kommenden Jahren steigen in weiten Teilen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts die durchschnittlichen Temperaturen, während die Niederschläge abnehmen. Gleiches gilt auch für Südwestdeutschland, während etwa in Teilen Hessens mit mehr Regen zu rechnen ist. Berechnungen der Agentur „Climate Central“ für das Jahr 2050 zeigen nach einem Bericht des „Tagesspiegels“, dass wegen steigender Meeresspiegel weite Teile Ostfrieslands, Bremens oder Hamburgs einmal im Jahr überflutet werden könnten, wenn die Küsten nicht zusätzlich gesichert werden.

Was tut die Welt gegen die drohende Klimakatastrophe?

In dem 2015 geschlossene Klimaabkommen von Paris setzen sich 190 Staaten zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 bis maximal 2 Grad zu begrenzen. Nach einer neuen Untersuchung sind allerdings zwei Drittel der inzwischen rund 180 vorgelegten staatlichen Aktionspläne ungeeignet, die Erderhitzung auch nur zu bremsen. In diesem Jahr dürfte der weltweite CO2-Ausstoß erneut steigen. Die Internationale Energie-Agentur erwartet, dass er bis 2040 um weitere zehn Prozent steigen dürfte. Nötig wäre nach dem Pariser Abkommen aber eine Minderung um fast 50 Prozent. UN-Generalsekretär Antonio Guterres erwartet, dass die einzelnen Staaten bis spätestens nächstes Jahr ihre Klimaschutzzusagen kräftig nachbessern.

Wie verhalten sich die Bundesbürger?

Zehntausende Schüler protestieren für mehr Klimaschutz, die Grünen stehen in Wahlumfragen bei mehr als 20 Prozent – der Kampf gegen die Erderhitzung scheint Dringlichkeit zu haben. Tatsächlich verhalten sich aber viele Bürger anders. Im ersten Halbjahr stiegen an deutschen Flughäfen 4,2 Prozent mehr Menschen in einen Flieger. Auch vom Auto mag offensichtlich kaum jemand lassen: 2018 wurden bundesweit knapp 3,5 Millionen Pkw neu zugelassen, und die größten Zuwächse gab es ausgerechnet bei den Spritfressern, also SUVs, Wohnmobilen und Oberklasseautos. Ähnlich ist es beim Fleisch, dessen Produktion Umwelt und Klima stark belasten. Der Verbrauch hierzulande hat in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwas mehr als sieben Millionen Tonnen gelegen, mit zuletzt steigender Tendenz. dpa

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