Politik

Linke, Grüne und FDP Niedergang der bisherigen Stimme des Ostens / Ökopartei hin- und hergerissen / Liberale in beiden Bundesländern ohne Chance

Alle zusammen weit entfernt von Euphorie

Archivartikel

Berlin.Bei den Linken stehen sie eng zusammen und können es nicht fassen, was da an Zahlen über den Bildschirm flimmert. In Brandenburg und Sachsen hat sich ihr Prozentanteil beinahe halbiert. In den Ländern, wo die Linke über Jahrzehnte so etwas wie eine Volkspartei war. Eine Ostpartei sowieso. Und nun das.

Die Linke ist die große Verliererin des Wahlabends. Auch Parteichefin Katja Kipping ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. „Solche Zahlen schmerzen, das ist ganz klar“, sagt sie. Sie ist waschechte Sächsin, kommt aus Dresden. Woran es gelegen hat? Dazu meint eine andere Linke: „Wir haben Politik von oben gemacht, wir waren zu wenig in den Regionen, haben zu wenig mit den Menschen geredet“.

Ein geradezu vernichtender Selbstbefund, wenn man bedenkt, dass die Linke sich auch immer als Kümmerer-Partei verstanden hat. In dieser Rolle sehen jetzt offenbar viele Ost-Wähler die AfD. Hinzu kommt, dass die Linke in drei neuen Bundesländern mitregiert und damit Teil des „Establishments“ ist, gegen das die Rechtspopulisten aus allen Rohren feuern.

„Wir hatten offensichtlich eine Mobilisierungsschwäche“, erklärt Co-Parteichef Bernd Riexinger. Und er führt die „zugespitzte Situation“ ins Feld, wonach sich in Sachsen und Brandenburg zuletzt alles darauf konzentriert habe, wer am Ende stärkste Partei werden würde – die CDU beziehungsweise SPD oder die AfD. Auch das hat der Linken Stimmen gekostet. Der Zuspruch ist dann auch dahin und die „Wahlparty“ bei den Linken schnell beendet.

Wirklich Grund zum Feiern hätten die Grünen. Aber von Euphorie ist man trotzdem weit entfernt. Umringt von seinen Anhängern steht Robert Habeck vor einem großen Fernseher in der Berliner Parteizentrale und schaut etwas nachdenklich drein. Da ist es kurz nach 18 Uhr. Schließlich fängt der Parteichef zaghaft an zu klatschen. Einerseits so gut abgeschnitten wie noch nie in den neuen Bundesländern. Anderseits aber längst nicht so gut, wie es die letzten Umfragen prophezeit hatten. Da waren die Grünen noch deutlich im zweistelligen Bereich gewesen. Auch Habeck erklärt das mit der zugespitzten Situation auf den letzten Metern. Gleichwohl habe man nun die Chance auf zwei Regierungsbeteiligungen. Und das in Ost-Ländern, in denen man in der Vergangenheit häufig genug um den Einzug in die Parlamente „bibbern“ musste, ergänzt Bundesgeschäftsführer Michael Kellner voller Stolz.

Lindner droht Debatte

Die FDP dagegen wird keinerlei Einfluss auf eine Regierungsbildung haben. Weder in Sachsen noch mit Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz in Brandenburg. Die Liberalen bleiben außerparlamentarische Opposition. Dabei ist die neue Generalsekretärin Linda Teuteberg eine Brandenburgerin. In der Berliner Zentrale der Freidemokraten steht sie neben dem Vorsitzenden Christian Lindner, der etwas von „Bedauern“ murmelt und dass es „leider nicht“ geklappt habe. Der bittere Wahlausgang könnte auch eine innerparteiliche Diskussion über den Chef nach sich ziehen.

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