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Alles noch offen

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NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat die Katze aus dem Sack gelassen. Er beansprucht die Kanzlerkandidatur nicht nur für die CDU, sondern auch für sich selber. Denn der neue Vorsitzende, der voraussichtlich im Dezember gewählt werden wird, soll anschließend auch für die Unionsparteien als Nachfolger von Angela Merkel antreten. Überraschend ist das nicht. Aber so nachdrücklich hat Laschet seine persönliche Karriereplanung noch nicht untermauert. Der Mann will den Job in Berlin.

Das wird aber kein Selbstläufer. Schon deshalb nicht, weil Laschets Sieg im Wettkampf um den CDU-Chefsessel nicht ausgemacht ist. Nach dem Schutz der Bevölkerung vor Corona rücken nun eindeutig die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise in den Vordergrund. Da könnte dann doch Friedrich Merz die besseren Karten haben. Hört man sich in der Union um, hat Laschet zudem im Osten deutlich weniger Freunde als sein Hauptrivale im Kampf um den Vorsitz. Aber nicht nur deswegen bezeichnen Insider das Rennen nach wie vor als offen. Bei der Bewältigung der Corona-Krise wirkte Laschet nicht immer sattelfest. Und kommt die zweite Welle, dürfte er sogar einer der großen Verlierer werden, weil er frühzeitig Lockerungen angegangen ist. Immer wieder zum Missfallen der Kanzlerin, die auch deshalb das Zepter an die Länder weitergeben musste. Bei ihnen liegt jetzt die Verantwortung für das, was womöglich noch kommt.

Also auch bei Laschet. Darüber hinaus ist CSU-Chef Markus Söder weiterhin ein Risikofaktor für den NRW-Mann. Söder klingt inzwischen so, als ob bei ihm das Interesse an einer Kandidatur langsam wächst – aufgrund seiner Beliebtheitswerte und der Zustimmung zu seinem Corona-Kurs. Nach wie vor ist somit alles offen bei der Union. Klar ist nur, dass das Kandidatenrennen nach der Corona-Zwangspause wieder kräftig an Fahrt aufnimmt. Um den CDU-Vorsitz – und um die Kanzlerkandidatur gleich mit.

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