Politik

Personalie Schröder geht trotz Kritik zu russischer Ölfirma

Altkanzler Chefaufseher bei Rosneft

Archivartikel

St. Petersburg.Altbundeskanzler Gerhard Schröder ist zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates beim größten russischen Ölkonzern Rosneft gewählt worden. In dieser Funktion sehe er es als seine Aufgabe, Kompromisse zu suchen, wenn es unterschiedliche Interessen der Teilhaber geben sollte, sagte er in St. Petersburg. Dort hatte ihn eine Aktionärsversammlung in den Aufsichtsrat gewählt. Schröder sagte vor Journalisten, er gehöre nicht zu den Verfechtern von Sanktionen gegen Russland. Wenn es Fortschritte zur Beilegung des Krieges in der Ostukraine gebe, sollten die Sanktionen gelockert werden.

Die EU hatte Rosneft im Herbst 2014 wegen des verdeckten russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine auf die Sanktionsliste gesetzt. Der CDU-Politiker Norbert Röttgen griff Schröder wegen seines Engagements für den Konzern an. "Dass er sich dafür hergibt, ist zutiefst kritikwürdig", sagte Röttgen im ZDF-"Morgenmagazin". Rosneft sei ein "zentraler Baustein im Machtsystem" des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Demonstration in Berlin

Die Personalie hatte dem Altkanzler und seiner Partei, der SPD, im Bundestagswahlkampf Kritik eingetragen. Gestern demonstrierten mehrere Aktivisten vor dem Brandenburger Tor gegen Schröders Tätigkeit in Russland. Der Altkanzler hatte die Berufung damit gerechtfertigt, dass er so zu einer sicheren Energieversorgung für Deutschland beitragen könne. Im Übrigen sei die Annahme des Postens seine Privatsache. Der staatlich kontrollierte Konzern Rosneft ist für Deutschland ein Großlieferant von Öl.

Trotz seiner Jobs in der Wirtschaft erhält Schröder in diesem Jahr 561 000 Euro aus der Staatskasse für ein Büro in Berlin. Das geht aus einer Antwort des Bundeskanzleramts auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Zudem erhält Schröder ein Ruhegehalt, das für seine sieben Amtsjahre als Kanzler (1998 bis 2005) 6446 Euro im Monat beträgt. Hinzu kommen Bezüge für seine Zeit in der niedersächsischen Landesregierung und als Bundestagsabgeordneter. Wie viel er für den Job bei Rosneft bekommt, ist nicht bekannt. dpa

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