Politik

Gesundheit (II) Staaten gehen unterschiedlich mit Zustand ihrer Regierungschefs um

Amerikaner offen, Araber geheimnisvoll

Berlin.Bundeskanzlerin Angela Merkel offenbart keine konkreten Informationen über ihren Gesundheitszustand. In anderen Ländern hingegen wird die Privatsphäre von Spitzenpolitikern weitaus weniger geachtet als hierzulande. In den USA ist es beispielsweise Konsens, dass Präsidenten und Präsidentschaftsbewerber Einblick in medizinische Details geben. So lud der inzwischen gestorbene Republikaner John McCain im Mai 2008 rund 20 Journalisten ein, um mehr als 1000 Seiten seiner Gesundheitsakten durchzugehen.

Im Wahlkampf 2016 sorgte die demokratische Kandidatin Hillary Clinton für Schlagzeilen, weil sie eine Lungenentzündung geheim gehalten hatte. Wie glaubwürdig die Medizinchecks der Präsidenten sind, ist spätestens seit Donald Trump umstritten. 2018 attestierte der damalige Chefmediziner im Weißen Haus, Ronny Jackson, ihm in übertrieben wirkenden Lobeshymnen eine exzellente Gesundheit und eine tadellose geistige Verfassung.

Vatikan schweigt

Ganz anders läuft es in Russland. Der Kreml hütet den Gesundheitszustand des russischen Präsidenten wie zu Sowjetzeiten wie ein Staatsgeheimnis. Dass Kremlchef Wladimir Putin auch mit 66 Jahren topfit ist, sollen regelmäßig Bilder beim Judo und beim Eishockeyspielen zeigen.

Fast schon Kultstatus haben seine Auftritte mit freiem Oberkörper beim Angeln oder Reiten. Auch bei einem öffentlichen Arztbesuch hat er sich seine Fitness bescheinigen lassen. Allerdings ließ sich Putin schon vom türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan in den Sessel helfen. Deutlicher, als dass Putin eine ältere Sportverletzung plagen könnte, wurde Kremlsprecher Dmitri Peskow damals nicht.

In der arabischen Welt ist die Gesundheit der Staats- und Regierungschefs ebenfalls ein großes Tabu. Der 82-jährige Präsident von Algerien Abdelaziz Bouteflika saß seit einem Schlaganfall 2003 im Rollstuhl. Immer wieder flog er zu Behandlungen in die Schweiz. Offizielle Informationen gab es dazu kaum.

Vor zwei Wochen teilte das tunesische Präsidialamt mit, dass der 92 Jahre alte Präsident Beji Caid Essebsi ins Krankenhaus gebracht werden musste. Sofort kursierten Gerüchte, die den Präsidenten schon für tot erklärten. Erst spät gab es ein Foto, das ihn im Kreis der Ärzte zeigte – und bis heute keine Erklärung.

Im Vatikan gilt eine radikale Devise: „Päpste sind nicht krank, Päpste sterben.“ Das heißt, über die Gesundheit wird nicht gesprochen, bekannt gegeben wird erst der Tod. Im Fall des an Parkinson erkrankten Papstes Johannes Paul II. klang der erste Hinweis darauf umwölkt: Sein damaliger Sprecher Joaquín Navarro-Valls sprach von einer „Krankheit extra-pyramidalen Ursprungs“. Und doch war die Offenheit für manche Kirchenobere ein „Skandal“. dpa