Politik

Syrien Gipfel zwischen Russland, Iran und der Türkei endet ohne Vereinbarung einer Waffenruhe

Angriff auf Idlib steht bevor

Archivartikel

AntaKya.Wie es den Menschen in Idlib geht? Die ältere Frau mit Kopftuch und langem Mantel, die gerade aus der syrischen Rebellenhochburg in die Türkei zurückgekehrt ist, muss nicht lange überlegen: „Alle haben große Angst“, sagt die Syrerin am Grenzübergang nahe der türkischen Stadt Antakya. Und fährt fort: „Vor den Bombardierungen.“ Sie hebt ihre Hand ein paar Mal in Richtung des blauen Himmels. „Die Flugzeuge, die Flugzeuge.“

In den vergangenen Tagen flogen die Kampfjets wieder über die Region im Nordwesten Syriens, in der sich die nächste und vielleicht letzte große Schlacht dieses Bürgerkriegs abzeichnet. Das Gebiet um die Stadt Idlib ist die einzige Hochburg, die den Rebellen geblieben ist. Syriens Führung in Damaskus hat dort ihre Truppen aufmarschieren lassen und droht mit einer Offensive.

Auch Moskau, Syriens enger Verbündeter, scheint gewillt zu sein, diesen Angriff zu unterstützen. Beim Syrien-Gipfel im iranischen Teheran konnte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin und den zweiten Damaskus-Verbündeten, Gastgeber Hassan Ruhani, gestern nicht von einer Waffenruhe für Idlib überzeugen. Stattdessen bekräftigten die drei Staaten in ihrer Abschlusserklärung den Willen, Gruppen mit Verbindung zu Al-Kaida oder der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu zerstören.

Im Kampf gegen den Terror solle jedoch zwischen den Extremisten und anderen Oppositionsgruppen unterschieden werden. Auch der Schutz der Zivilbevölkerung wurde betont. Nach den vagen Ergebnissen von Teheran scheint der Weg für die syrische Regierung in Idlib nun zumindest für eine begrenzte Offensive frei.

Rückzugsort Geflüchteter

Doch sollte ein Großangriff die Region treffen, droht eine humanitäre Katastrophe, die schlimmer sein könnte als alle bisherigen Krisen in Syrien. Fast drei Millionen Zivilisten leben in Idlib, so die Schätzung der UN. Fast die Hälfte von ihnen ist schon einmal vertrieben worden. Die Not ist groß. Viele der Vertriebenen sind aus Regierungsgebieten geflüchtet. Sie wollen auf keinen Fall unter der Herrschaft Assads leben, Rückkehr ausgeschlossen. dpa

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