Politik

Annegret Kramp-Karrenbauer

Von unserem Korrespondenten

Werner Kolhoff

Ihr größtes Handicap ist Annegret Kramp-Karrenbauer in den vergangenen Wochen nie losgeworden: Dass sie eine enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel ist, die „die Annegret“ sogar duzt. Merkel machte die Saarländerin zur CDU-Generalsekretärin, um sie als ihre Nachfolgerin aufzubauen, das ist ein offenes Geheimnis. Das Problem: Viele in der Partei wollen sich von der Überkanzlerin emanzipieren. Und sie in der Flüchtlingspolitik sogar korrigieren. Merkel-Getreue sind gerade nicht besonders angesagt.

„AKK“ hat sich mit zwei Strategien aus dem Dilemma zu retten versucht. Zum einen hat sie gar nicht bestritten, dass sie Merkel viel verdankt. „Ich werde mich auch nicht künstlich von ihr abgrenzen.“ Das sei eine Frage der „Haltung“. Zum anderen setzte sie in der Flüchtlingspolitik eigene Akzente. Schließlich war sie die erste weibliche Innenministerin eines Bundeslandes. Also redete sie oft über das Vollzugsdefizit bei Abschiebungen, das gelöst werden müsse. Und gab sich als Hardlinerin, bis hin zu dem Vorschlag, kriminelle Asylbewerber sogar wieder nach Syrien zu schicken. Selbst Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ging da nicht mit. Im Frühjahr werde sie in der Partei bei einem Werkstattgespräch über die Flüchtlingspolitik diskutieren lassen. Man solle das nicht so lang mit sich herumschleppen „wie die SPD Hartz IV“.

Außer vielleicht im heimischen Idar-Oberstein ist Kramp-Karrenbauer nie als Siegerin aus den acht Regionalkonferenzen hervorgegangen. Spahn und vor allem Merz können besser reden. Dafür hat die 56-Jährige versucht, eher die subtilen Punkte zu setzen. Zum Beispiel mit ihren stetigen Hinweisen darauf, dass sie ihre Wahlen bisher alle gewonnen hat, zuletzt die so wichtige im Frühjahr 2017, als sie im Saarland den vermeintlich unaufhaltsamen Schulz-Zug stoppte. Und dass sie langjährige Regierungserfahrung hat. Beides können ihre Konkurrenten nicht vorweisen. Zweitens betont die Generalsekretärin, wie sehr sie die Partei kennt und in ihr verankert ist. Ihre Botschaft: Mit ihr als Vorsitzender kann die Basis weiter mitreden.

Die Unterstützung der Frauen-Union hat Kramp-Karrenbauer, überwiegend auch die des Sozialflügels. Die Ministerpräsidenten Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Tobias Hans aus dem Saarland sprachen sich für sie aus, und in Umfragen lag sie unter den CDU-Anhängern meist vorne. Kramp-Karrenbauer sagt: „Meine Aufgabe als Parteivorsitzende wird es sein, mit dafür zu sorgen, dass diese Regierung mit Angela Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode ihre Arbeit machen kann.“ „AKK“, ein modifiziertes Weiter so. Das ist ihre Stärke – und zugleich ihr größter Angriffspunkt.