Politik

Migration Rettungsschiff läuft von Frankreich wieder aus / Umstrittener Einsatz auf Mittelmeer

„Aquarius“ meidet Libyen

Archivartikel

Marseille/Rom.Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée wollen mit ihrem Schiff „Aquarius“ keine geretteten Migranten nach Libyen zurückbringen. Die „Aquarius“ sollte nach Angaben von gestern im französischen Marseille ablegen. Es ist die erste Rettungsmission der „Aquarius“ in den internationalen Gewässern vor Libyen, seit das Schiff im Juni tagelang im Mittelmeer blockiert war und Gerettete schließlich nach Spanien bringen musste. Italien hatte dem Schiff die Einfahrt verweigert.

Am Dienstag löste der Fall des italienischen Versorgungsschiffs „Asso 28“ Empörung aus, das gerettete Migranten nach Libyen zurückgebracht und damit möglicherweise gegen internationales Recht verstoßen hat. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen prüft den Fall. Auch die Internationale Organisation für Migration forderte Aufklärung darüber, wie der Rettungseinsatz genau abgelaufen ist.

„Auf See aufgegriffene Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten dürfen nicht nach Libyen zurückgeschickt werden. Daher ist die ,Aquarius‘ verpflichtet, jede Anweisung der maritimen Behörden zu verweigern, auf See gerettete Menschen nach Libyen zurückzubringen oder einem Schiff zu übergeben, das sie nach Libyen bringen würde“, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Das Land ist vom Bürgerkrieg zerrüttet und gilt nicht als sicherer Ort, weil den Menschen dort Misshandlungen und Gewalt drohen.

Die „Aquarius“ ist seit zwei Jahren im Einsatz und hat nach Angaben der Organisationen mehr als 29 000 Menschen gerettet. Erstmals lag sie nun für längere Zeit in einem Hafen, um sich strategisch und technisch „dem radikalen Wandel der Bedingungen“ für die private Seenotrettung anzupassen. „Wir wissen nicht, was uns im Mittelmeer erwartet. Die Lage ist sehr unübersichtlich“, sagte gestern die Sprecherin von SOS Méditerranée, Jana Ciernioch, vor der Abfahrt.