Politik

Ost-Ghuta Mehr als 150 Menschen sterben bei Angriff auf syrische Rebellenhochburg / Hinweise auf chemische Waffen

Armee soll Giftgas eingesetzt haben

Damaskus.Die Fotos und Videos, die die Weltöffentlichkeit aus dem syrischen Duma erreichen, sind nur schwer zu ertragen: Frauen, Männer und Kinder liegen in einer Wohnung auf dem Teppichboden, übereinander zusammengesunken, die Augen leer, teilweise Schaum vor dem Mund. Andere Bilder zeigen Kellerräume mit ähnlichen Szenen. Hilfsorganisationen werfen der syrischen Regierung vor, am Wochenende Chemiewaffen bei Angriffen auf die letzte verbliebene Rebellenhochburg in Ost-Ghuta eingesetzt zu haben. Mehr als 150 Menschen sollen dabei getötet und mehr als 1000 verletzt worden sein. Papst Franziskus zeigte sich im Vatikan erschüttert: „Es gibt schreckliche Berichte aus Syrien über Bombardierungen mit Dutzenden Opfern.“

Die Syrisch-Amerikanisch medizinische Gesellschaft (Sams) berichtete gestern, am Vorabend seien kurz vor 20 Uhr Ortszeit hunderte Menschen in die klinischen Einrichtungen in Duma gebracht worden. Die Menschen zeigten Anzeichen, einem Nervengas ausgesetzt gewesen zu sein, wie es weiter hieß. Sie hätten unter Atemnot gelitten und Herzprobleme gehabt. Die Hilfsorganisation Weißhelme sagte, ein Hubschrauber habe zuvor eine Fassbombe mit Chemikalien abgeworfen. Am Freitagabend waren die Kämpfe um die Stadt Duma, die von der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam („Armee des Islams“) kontrolliert wird, erneut eskaliert. Videos aus sozialen Netzwerken zeigten heftigen Beschuss und Luftangriffe. Fast sekündlich kam es zu Explosionen in der Stadt.

Die Hilfsorganisation UOSSM sprach angesichts des mutmaßlichen Giftgas-Einsatzes von einer der schlimmsten chemischen Attacken in der syrischen Geschichte. Retter hätten große Probleme, an die Opfer zu gelangen, sagte ein Sprecher. Die Organisation bezifferte die Zahl der Toten am Sonntag mit „weit über 70“, befürchtet aber, dass sie auf über 100 steigen könnte.

Das russische Militär und die syrische Führung wiesen die Vorwürfe umgehend zurück. Es handele sich um „fabrizierte Anschuldigungen“, sagte Generalmajor Juri Jewtuschenko der Agentur Interfax zufolge. Das russische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe als Provokationen.