Politik

Serie "Die Krise und ich"

Arzthelferin Melanie Fischer: "Das ist vielleicht das einzig Gute an der ganzen Sache, dass man mehr aufeinander achtet"

Archivartikel

Mannheim.Das Coronavirus hat mein Leben ganz schön durcheinandergewirbelt. Der Alltag in unserer Hausarztpraxis ist viel stressiger geworden, weil es mehr zu organisieren, erklären, besprechen gibt. Heute war es extrem, da hat wirklich ununterbrochen das Telefon geklingelt. Die Leute wollen sich krankschreiben lassen, Termine absagen oder fragen, wie sie sich verhalten sollen.

Am Anfang hatte es sich noch im Rahmen gehalten, aber inzwischen sind die Patienten verunsichert. Darum ist es wichtig, dass wir Verständnis haben und die Ruhe bewahren. Obwohl einem die Angst schon im Nacken sitzt. Ich will mich auch nicht anstecken, gerade, weil ich ein vier- und ein achtjähriges Mädchen zuhause habe. Also waschen und desinfizieren wir uns immer wieder die Hände und versuchen, Abstand zu den Patienten zu halten. Das ist aber nicht immer einfach, manchen fehlt es da an Feingefühl, die hängen sich richtig über die Theke und husten einen an. Darum haben wir jetzt extra ein Hinweisschild aufgestellt.

Die Stimmung bei den Kollegen ist nach wie vor gut. Wir unterstützen uns jetzt noch mehr als vorher. Wenn eine mal in Hektik verfällt, nehmen wir sie kurz raus und schicken sie einen Kaffee trinken. Der Zusammenhalt war schon immer da, aber jetzt ist er noch stärker geworden. Das ist vielleicht das einzig Gute an der ganzen Sache, dass man mehr aufeinander achtet. Heute Morgen hat uns unsere Chefin sogar einen Blumenstrauß und ein Kärtchen gebracht, das war süß.

Als das mit Corona aufkam, hab ich auch nicht gedacht, dass es mal so krass wird, wie es jetzt ist. Und um ehrlich zu sein, kann ich es inzwischen kaum noch hören. Ich hoffe aber, dass die Leute jetzt vernünftig sind und sich isolieren und die ganze Sache dann wieder abebbt. Mein größtes Problem ist gerade die Kinderbetreuung. Zum Glück hat meine Chefin dafür Verständnis. Und meine Schwester und der Freundeskreis helfen mir dabei. An den Tagen, an denen ich frei habe, übernehme ich deren Kinder und andersherum. So kommen wir erst mal über die Runden. mig 

Melanie Fischer, 38, Arzthelferin aus Mannheim

Zum Thema