Politik

Vergewaltigungsvorwürfe Aktivistinnen appellieren an Minister

Assange soll in Schweden vor Gericht gestellt werden

London.Wenige Tage nach der Festnahme von Julian Assange mehren sich in Großbritannien die Stimmen, dass sich der Wikileaks-Gründer wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden verantworten müsse. Ein Bündnis von Gruppen gegen Frauengewalt drängte Innenminister Sajid Javid, eine Auslieferung an das skandinavische Land sicherzustellen. Andernfalls werde eine „Vergewaltigungskultur“ gefördert, heißt es in dem Aufruf, über den die Zeitung „The Guardian“ berichtete. Die Frauen befürchten, dass London den Interessen der USA, die die Auslieferung des Enthüllers verlangen, Vorrang geben könnte.

Abgeordnete unterstützen Frauen

Der gebürtige Australier war am Donnerstag von der britischen Polizei in der Botschaft Ecuadors in London festgenommen worden, nachdem das südamerikanische Land das Asyl aufgehoben hatte. Er war 2012 in die diplomatische Vertretung geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Assange, der die Vorwürfe immer zurückwies, fürchtete, via Schweden in die USA ausgeliefert zu werden.

Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte Wikileaks 2010 – damals noch als Bradley Manning – hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es geht dabei um die US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. In Schweden hatte die Staatsanwaltschaft im Mai 2017 ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anwältin der Frau, die Assange beschuldigt, hat aber die Wiederaufnahme beantragt.

„Er hat immer von seinem Kultstatus profitiert und gab sich dabei als Opfer und als sehr rechtschaffen aus. Hier geht es aber um Vergewaltigung, dafür ist er angeklagt worden. Das ist äußerst ernst“, sagte die Aktivistin Sara Green. Auch eine Gruppe von 70 britischen Abgeordneten schaltete sich in den Fall ein. Die Parlamentarier appellierten an die Regierung, eine Auslieferung Assanges zu ermöglichen, falls Schweden dies verlange. dpa