Politik

Festnahme Ecuadors Präsident erhebt schwere Vorwürfe gegen Wikileaks-Gründer / Abgeordnete sprechen von Verleumdungskampagne

Assange soll „Zentrum der Spionage“ betrieben haben

London/Quito.Ecuadors Präsident Lenín Moreno hat Wikileaks-Gründer Julian Assange vorgeworfen, in der Londoner Botschaft des Landes ein „Zentrum der Spionage“ betrieben zu haben. „Mit der Erlaubnis der Behörden der Vorgängerregierung (in Ecuador) wurden Einrichtungen in der Botschaft zur Verfügung gestellt, um in Prozesse anderer Staaten einzugreifen“, sagte Moreno der britischen Zeitung „The Guardian“.

Deutsche und spanische Abgeordnete versuchten unterdessen gestern vergeblich, Assange im Gefängnis zu besuchen. Heike Hänsel und Sevim Dagdelen (beide Die Linke) hatten aber nur eine Besuchsgenehmigung für die Botschaft, wie eine Sprecherin der Partei in Berlin sagte. „Vom Gefängnis gab es keine Antwort.“ Auch die spanische Grünen-Europa-Abgeordnete Ana Miranda war nach London gereist.

Das Verhalten der Regierung Ecuadors gegenüber Assange sei ein „eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der drei Politiker. Sie sprachen von einer „Schmutz- und Verleumdungskampagne“ gegen den 47-Jährigen.

Der gebürtige Australier war am Donnerstag von der britischen Polizei in der Botschaft festgenommen worden, nachdem Ecuador das politische Asyl aufgehoben hatte. Assange war vor fast sieben Jahren in die Vertretung geflüchtet.

Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Assange fürchtete, via Schweden in die USA ausgeliefert zu werden. Die Vorwürfe wies er stets zurück. Es mehren sich aber in Großbritannien die Stimmen, dass Assange sich in Schweden verantworten müsse. Dort hatte die Staatsanwaltschaft 2017 ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anwältin einer Frau, die Assange beschuldigt, beantragte die Wiederaufnahme. Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte Wikileaks 2010 hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. dpa