Politik

Missbrauch 27 Bistümer sollen alle durchleuchtet werden

Aufklärung dauert noch Jahre

Archivartikel

Trier/Köln.Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche Deutschlands bleibt nach Einschätzung von Bischof Stephan Ackermann eine Aufgabe noch für Jahre. „Das wird noch ein schmerzlicher Prozess werden“, sagte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs in Trier der Deutschen Presse-Agentur. In den nächsten fünf Jahren müssten sich alle 27 Bistümer bundesweit einer unabhängigen Aufarbeitung durch eigens eingerichtete Kommissionen stellen, in der es um „Verantwortlichkeiten“ gehe – darum, wie man mit Tätern und Opfern in der Vergangenheit umgegangen sei.

Wie schwer sich die Kirche mancherorts mit öffentlicher Kritik tut, zeigt ein aktueller Fall aus dem Erzbistum Köln. Dort hatte der Dormagener Pfarrer Klaus Koltermann dem Kardinal Rainer Maria Woelki vorgeworfen, jede „Glaubwürdigkeit verspielt“ zu haben. Woelki wird auch von anderen katholischen Bischöfen massiv kritisiert, weil er ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten zurückhält. Nach seiner Kritik erhielt Koltermann einen zweiseitigen Brief vom Generalvikariat des Erzbistums, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Darin schreibt Personalchef Mike Kolb, dass Koltermanns öffentlichen Stellungnahmen möglicherweise schwerwiegende Verstöße gegen seine Dienstpflichten darstellten. „Diese Äußerungen können Maßnahmen nach sich ziehen.“ Ein „öffentliches Eintreten gegen die Katholische Kirche, das Erzbistum Köln oder dessen Amtsträger“ sei mit den „Loyalitätsobliegenheiten“ eines Pfarrers nicht vereinbar. dpa

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