Politik

Aus Fehlern lernen

Im Zusammenhang mit dem schrecklichen Amoklauf von Winnenden vor zehn Jahren, bei dem 16 Menschen starben, klingt es abgedroschen und geradezu taktlos neunmalklug. Aber es ist wahr: Man lernt aus Fehlern. Und außerdem lernt man nie aus. Mit „man“ sind viele Personen und Gruppen gemeint. Die wichtigsten zuerst: die Schulen.

Wandel in der Gesellschaft

Hier hat sich einiges getan. Doch leider nicht genug. Das stellte sich in einem Gespräch mit einer jungen Referendarin heraus. Die Berufseinsteigerin sagte im Vertrauen, sie wüsste nicht einmal, wie sie ihre Schüler im Notfall schützen sollte, sie sei darin nicht geschult worden. Das ist extrem verantwortungslos und gefährlich.

Da kann die Politik machen und sagen, was sie will: Wenn es in der Praxis nicht klappt, ist alles hinfällig. Jeder Einzelne sollte sofort bei Arbeitsantritt für den Ernstfall trainiert werden. Daran hängen schließlich Menschenleben. Laut dem Leiter des Mannheimer Moll-Gymnasiums, Gerhard Weber, hat zumindest jede Schule ein eigenes Krisenteam. Außerdem würden Schüler und Eltern immer wieder darauf hingewiesen, Auffälligkeiten an die Lehrkräfte zu melden. Prävention ist hierbei das Schlüsselwort: Probleme erkennen und einschreiten.

Die Gesellschaft hat sich diesbezüglich gewandelt. Psychische Probleme sind kein Tabuthema mehr. Betroffene sprechen sie an, suchen sich Hilfe. Und das ist gut. Früher galten Menschen als verrückt, wenn sie zum Psychologen gingen, heute ist es selbstverständlich. Früher wurden Mobbing-Opfer als zu weich abgestempelt. Heute wird ihnen geholfen. Und Täter werden mit ihrem Handeln konfrontiert.

Auch die Polizei macht Fortschritte. Bereits vor Winnenden änderte die Behörde die Einsatz-Strategie der Beamten. Davor hieß es: warten auf das Landeskriminalamt. Nun sind auch die örtlichen Polizisten so gut geschult, dass sie sofort Gebäude stürmen könnten, um Täter ausfindig zu machen. Ein wichtiger Schritt. Die Polizisten arbeiten zudem enger mit den Schulen zusammen, sind Ansprechpartner bei Fragen und trainieren ihre Einsätze sogar in deren Räumen.

Dazugelernt hat zudem die Politik: Das Waffengesetz wurde schon 2009 verschärft. Eine Änderung für ein einheitliches Nationales Waffenregister ist in Arbeit. Die schulpsychologische Beratung wurde erhöht, ein Gewaltpräventionsprogramm eingeführt, Beratungslehrer wurden ausgebildet, die Warnsysteme an den Bildungsstätten verbessert und, und, und . . .

Allein die Fülle an Entwicklungen zeigt: Man will dieselben Fehler nicht noch einmal machen. Wichtig ist aber – selbst wenn es eben altklug klingt –, dass auch wirklich alle mitarbeiten.