Politik

EU-Reform Ministerin Julia Klöckner lädt etliche Vertreter der Branche zum runden Tisch nach Bonn

Banger Blick auf Zukunft des Weins

Berlin.Dass Julia Klöckners Herz für den Wein schlägt, ist nicht verwunderlich. Die Landwirtschaftsministerin ist in einer Winzerfamilie in der Nähe von Bad Kreuznach groß geworden, Mitte der 1990er Jahr war sie sogar mal Weinkönigin. Heute könnte ihr die persönliche Erfahrung nützen. Denn Klöckner hat in Bonn die Branche zu einem runden Tisch eingeladen. Es geht bei dem Treffen um die anstehende Weinrechtsreform. Diese ist nötig, um deutsches Recht endlich an EU-Recht anzupassen. Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf verständigt. Man wolle eine „qualitätsorientierte Herkunftsprofilierung“ und den internationalen Schutz der Bezeichnungen, ist in dem Papier der Koalition zu lesen.

Klöckner selbst will sich bei dem Treffen einen „Eindruck über das Meinungsbild in der Weinwirtschaft“ verschaffen, wie es in der Einladung heißt. Kurzum: Noch ist nichts in trockenen Tüchern, die Arbeit an der Reform beginnt erst. Deswegen will die Ministerin zunächst klären, „welche Bestimmungen entfallen oder vereinfacht werden könnten“. Dann soll es darum gehen, ob die bestehenden Hektarertragsregelungen im Weinbau noch zeitgemäß sind – also wie viele Hektoliter pro Hektar Rebfläche erzielt werden dürfen. Oder anders: Es geht um Mengenbegrenzungen. Und: Die CDU-Politikerin will darüber diskutieren, wie die verschiedenen Herkunftsbezeichnungen – deutscher Wein, Landwein, Qualitätswein – mehr Profil erhalten können.

Touristischer Faktor

Schließlich hat Klöckner auch noch die Genehmigungsverfahren für Rebpflanzen auf dem Zettel. Ziemlich viel auf einmal für ein zwei Stunden langes Gespräch, an dem viele teilnehmen. Eingeladen sind der Deutsche Weinbauverband sowie die Vorsitzenden der 13 Weinanbauregionen. Von Mittelrhein, Württemberg bis hin zur Pfalz. Sie alle gehören dem Deutschen Weinbauverband an, soll heißen, eigentlich vertritt der Bundesverband die Regionalinteressen. „Ein ungewöhnliches Verfahren“, sagen Insider. Dem Vernehmen nach hatte das Ministerium eigentlich schon zum Ende des vergangenen Jahres ein Arbeitspapier zur Reform des Weingesetzes angekündigt, um den Verbänden dann zwei Monate zur Stellungnahme zu geben. „Das Papier liegt nicht vor“, ist nun zu hören. Deswegen sei der runde Tisch nicht mehr als ein erstes Abtasten.

Gleichwohl gehört dies zu Klöckners Stil – mehrfach hatte sie Vertreter verschiedener Branchen an einen Tisch geholt. Klöckner weiß um die Bedeutung des Weinbaus. 102 425 Hektar Rebfläche gibt es in Deutschland. Einer Studie des Deutschen Weininstituts zufolge reisen jährlich 50 Millionen Menschen wegen des Weines in die deutschen Weinregionen und sorgen dort mit Ausgaben von 5,5 Milliarden Euro für rund 75 000 Arbeitsplätze.