Politik

Politbarometer III (August I 2017/KW 32)

Bevölkerung kritisiert Umgang der Politik mit Automobilindustrie

Probleme in Deutschland

 

Bei der Frage nach den zurzeit wichtigsten Problemen in Deutschland dominiert – mit zum Vormonat praktisch unveränderter Intensität – der Bereich Flüchtlinge, Asyl, Ausländer und Zuwanderung: Bei zwei möglichen Antworten entfallen 47% der Nennungen auf diesen Themenkomplex. Dahinter folgen Rente und Alterssicherung (13%), die soziale Gerechtigkeit bzw. soziale Unterschiede in Deutschland (12%), Bildung/Schule (11%), Arbeitsmarkt/fehlende Jobs (10%), Diesel-Affäre und Automobilindustrie (8%), Politik(er)verdruss (7%), Um-welt/Klimawandel (7%), Terrorismus/Kriege/Frieden (7%) sowie Innere Sicherheit/Polizei/Kriminalität (5%). 


Bedrohung durch Kriminalität

 

Auf Nachfrage sagen 37% der Wahlberechtigten, dass sie sich „durch die Kriminalität bei uns bedroht“ fühlen, eine Mehrheit von 62% empfindet hier aber grundsätzlich keine persönliche Bedrohung.

 

Diesel-Fahrverbote

 

In der Diskussion über Luftverschmutzung in Städten sind – an Tagen, an denen entsprechende Grenzwerte überschritten werden – 43% der Deutschen für Fahrverbote für alle Diesel-PKW, die nicht die neueste Abgas-Norm haben, 53% sind gegen ein solches Verbot. Dass bei entsprechenden Belastungen ältere Diesel-PKW in den Städten nicht mehr fahren dürfen, fordern dabei 45% der CDU/CSU-, 44% der SPD-, 45% der Linken-, 71% der Grünen-, 45% der FDP- und 25% der AfD-Anhänger.


Automobilindustrie: Rücksichtnahme der Politik und weltweite Bedeutung

 

Am Umgang der Politik mit der deutschen Automobilindustrie ganz allgemein gibt es in der Bevölkerung viel Kritik: Für 70% der Bundesbürger – darunter klare Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen – nimmt die Politik auf die Interessen der Hersteller zu viel Rücksicht, 11% sagen „zu wenig“ und für 14% ist das „so gerade richtig“.

Die globale Marktposition deutscher Autohersteller hält eine Mehrheit der Deutschen für gesichert, doch daneben gibt es perspektivisch mehr Skepsis als Optimismus: So meinen 48% der Befragten, dass sich an der Bedeutung der deutschen Automobilindustrie weltweit „nicht viel ändern“ wird, 15% erwarten ein zunehmendes Gewicht und 33% sagen, dass deren Bedeutung global betrachtet abnehmen wird – eine Einschätzung, die überproportional viele Befragte mit hohem Bildungsniveau teilen.

 

Verunreinigte Eier: Gesundheit und Lebensmittelkontrollen

 

In letzter Zeit sind Millionen Eier in den Handel gelangt, die mit einem Insektengift verunreinigt sind. 61% der Deutschen sehen deshalb für sich persönlich keine gesundheitlichen Gefahren, 36% halten ihre Gesundheit wegen der verunreinigten Eier für gefährdet – das sind mehr als während der Hochphase der Schweinegrippe im Mai 2009 oder während der Vogelgrippe 2005/2006, aber weniger als etwa im Januar 2011, als im Kontext eines Futtermittelskandals erhöhte Dioxin-Werte in der Lebensmittelkette festgestellt wurden.

Genau wie nach früheren Lebensmittelskandalen gibt es auch jetzt wieder eine deutliche Forderung nach einer Reaktion von Gesetzgeber und Behörden: Wenn es ganz allgemein um die Qualität von Lebensmitteln geht, brauchen wir nach Ansicht von 73% der Befragten strengere Gesetze und Kontrollen, 26% sehen hierfür keine Notwendigkeit.


Wirtschaftliche Lage in Deutschland

 

Die ökonomische Grundstimmung bleibt ausgesprochen erfreulich: Auch im August bezeichnen klare Mehrheiten der Bundesbürger sowohl die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland als auch ihre private finanzielle Situation positiv und trotz etwas weniger optimistischer Konjunkturaussichten befürchten perspektivisch nur die wenigsten eine Verschlechterung der Lage.

So konstatieren ganz allgemein 62% (Jun-I: 65%; Jul-I: 64%) eine gute und nur 5% (Jun-I: 6%; Jul-I: 4%) eine schlechte Wirtschaftslage in Deutschland, 32% (Jun-I: 28%; Jul-I: 32%) sagen „teils-teils“.

Mit anteilig 28% (Jun-I: 39%; Jul-I: 39%) rechnen jetzt weniger Befragte als im Vormonat mit einem gesamtwirtschaftlichen Plus, 19% (Jun-I: 13%; Jul-I: 12%) befürchten eine negative Entwicklung und 50% (Jun-I: 45%; Jul-I: 47%) glauben, dass sich konjunkturell demnächst nicht viel ändern wird.

Ganz ähnlich wie bei der Wirtschaftslage in Deutschland insgesamt sprechen auch im Privatbereich mit 64% (Jun-I: 63%; Jul-I: 65%) die meisten Bundesbürger von einer persönlich guten Wirtschaftslage. Für 28% (Jun-I: 30%; Jul-I: 28%) gestaltet sich diese „teils-teils“, bei 7% (Jun-I: 7%; Jul-I: 6%) ist die eigene finanzielle Situation schlecht.

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