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Medizin Impfstoffkandidat BNT162b2 liefert ermutigende Daten / Bereitstellung wäre eine logistische Herausforderung / Kühlung von minus 75 Grad erforderlich

Biontech-Präparat vorläufig ohne Nebenwirkungen

Archivartikel

Berlin.Es ist eine ganz neue Art von Impfstoff, die das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer gegen das Coronavirus auf den Markt bringen möchten. Wie funktioniert das Präparat? Und welche Hürden gibt es bei der Logistik?

Wie genau funktioniert der Impfstoff?

Bei dem Impfstoffkandidaten BNT162b2 handelt es sich um einen genbasierten Impfstoff, RNA-Impfstoff genannt. Dabei erhält der Körper genetisches Material des Virus, eine Art Bauplan in Form von RNA für den Bau von Virusteilen, sogenannten Virusproteinen. Auf diese Virusproteine reagiert das Immunsystem. Laut den ersten Zwischenergebnissen zeigt das Vakzin eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent. „Sollte sich dieser Trend in den Daten fortsetzen, das heißt ein Schutz von über 90 Prozent der Geimpften, wäre dies eine unerwartet hohe Impfeffizienz, die mit vielen der routinemäßig eingesetzten Impfstoffe, wie zum Beispiel gegen Influenza, nicht erreicht wird“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, Leif-Erik Sander.

Und wie lange hält die Wirkung an?

Das lässt sich aktuell nicht sagen, da es noch keine Langzeitbeobachtung gibt. Was sich aber sagen lässt: Der Schutz hatte sich bei den Studienteilnehmern 28 Tage nach Beginn der Impfung, die in zwei Dosen verabreicht wird, aufgebaut.

Welche bekannten Nebenwirkungen gibt es?

Laut Biontech konnte das unabhängige Data Monitoring Committee, das die Zwischenanalyse der Daten durchgeführt hat, keine schwerwiegenden Sicherheitsbedenken feststellen. „Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen noch zu kurz ist“, sagt Sander von der Charité. Auch Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing weist trotz hoffnungsvoller Daten auf den kurzen Beobachtungszeitraum hin: Auch Langzeitnebenwirkungen müssten langfristig auf dem Radarschirm bleiben, sagt er.

Warum ist die Bereitstellung schwierig?

Ein RNA-Impfstoff bringt Besonderheiten mit sich: Die RNA kann kaputt gehen, wenn sie zum Beispiel warm wird, sagt Bernd Salzberger von der Uniklinik Regensburg. Deswegen sei für die Aufbewahrung und den Transport eine sehr gute Kühlkette notwendig. „Wir werden den Impfstoff in einem Minus-75-Grad-Kühlschrank lagern.“ Diese Möglichkeit haben nur wenige medizinische Einrichtungen. Auch deshalb sollen Impfzentren eingerichtet werden. Der Transport des Impfstoffs muss ebenso geplant werden – die Deutsche Post ist nach Angaben von Post-Chef Frank Appel vorbereitet. Weltweit betreibe die Post 180 Standorte, die auf die Bedürfnisse der Pharma-Industrie zugeschnitten seien.

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