Politik

Katholiken Konsequenzen aus Missbrauchsfällen gefordert

Bischof Heße: „Zäsur für die Kirche“

Archivartikel

Mainz.Die katholischen Laien fordern von den Bischöfen in Deutschland einen klaren Zeitrahmen für Reformen. „Es muss einen Prozess geben, der auf Ergebnisse ausgelegt ist und der eine klar fixierte Zeitleiste hat“, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, auf der Vollversammlung gestern in Mainz. Angesichts der seit Jahrzehnten aufgestauten Verärgerung über ausbleibende Reformen seien Veränderungen unausweichlich.

Zulassung von Frauen

Sternberg fügte an, er rechne damit, dass es in diesem Prozess zu einer Zulassung von Frauen zum Diakonat und zur Priesterweihe auch von verheirateten Männern kommen werde – als ergänzende Lebensform zum Zölibat, der priesterlichen Ehelosigkeit. „Es geht darum, unsere Kirche so zu verändern, dass sie keinen Nährboden für den Missbrauch bietet“, sagte Sternberg mit Blick auf die Veröffentlichung einer umfassenden Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche im Herbst vergangenen Jahres.

Mehr als 200 Teilnehmer der Frühjahrsvollversammlung des Zusammenschlusses katholischer Verbände unterstützten Sternbergs Äußerung mit Applaus. „Noch nie habe ich eine Situation erlebt, in der die Empörung so weit in den Kern unserer Gemeinden reichte“, sagte Sternberg. In der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im September 2018 veröffentlichten Studie waren etliche Missbrauchsfälle in den vergangenen Jahrzehnten dokumentiert worden.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße kündigte an, dass die Bischöfe gemeinsam mit dem ZdK über die kirchliche Macht, die Sexualmoral und die Frage nach dem Priesteramt sprechen wollten. Die Missbrauchskrise sei eine Zäsur für die Kirche in Deutschland. In den katholischen Gemeinden dringen vor allem die Frauen auf mehr Rechte und Beteiligung. Ihre wachsende Ungeduld kommt im Aufruf zu einem einwöchigen Kirchenstreik zum Ausdruck. Unter dem Slogan „Maria 2.0“ wollen die Teilnehmerinnen von diesem Wochenende an in mehreren deutschen Städten ihre ehrenamtlichen Aufgaben einstellen und Gottesdienste ohne Priester im Freien feiern.