Politik

Hambacher Forst Konzern rechnet nach Stopp der Rodungspläne mit hohem Schaden / Endgültige Entscheidung kann dauern

Börsenwert von RWE sackt deutlich ab

Archivartikel

Essen.Im Tauziehen um die Rodung des Hambacher Forsts hat der Energiekonzern RWE einen schweren Rückschlag erlitten. Das Unternehmen darf die Bäume an seinem Braunkohletagebau vorerst nicht abholzen. Wie geht es nach der Entscheidung des nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgerichts von gestern weiter?

Muss RWE die Förderung im Tagebau Hambach jetzt einstellen?

Nein. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat entschieden, dass RWE weiter Braunkohle abbauen darf, solange dafür nicht die bewaldeten Flächen des Hambacher Forsts in Anspruch genommen werden. Wie lange RWE fördern kann, ist unklar. Der Konzern hat betont, um den Wald könne nicht herumgebaggert werden. Bereits im kommenden Jahr müssten die Abbaugeräte auf der obersten Sohle des Tagebaus den Betrieb einstellen, erklärte RWE nach der Gerichtsentscheidung.

Kann RWE die Kohle aus Hambach ersetzen?

Das Unternehmen sagt Nein. Rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle fördert RWE pro Jahr aus Hambach, seinem größten Tagebau. 35 Millionen Tonnen sind es im benachbarten Garzweiler. Beide Tagebaue versorgen die RWE-Braunkohlekraftwerke mit dem Brennstoff. „Wir können die Kohle nicht einfach mit der aus Garzweiler ersetzen“, hatte der für Braunkohle zuständige Vorstand der RWE Power AG, Lars Kulik, dem „Handelsblatt“ gesagt. In Garzweiler arbeiteten die Bagger schon jetzt an der Kapazitätsgrenze.

Hat der Rodungsstopp Folgen für die Stromversorgung?

Nach Einschätzung des Oberverwaltungsgerichts kurzfristig nicht. RWE und die zuständige Bezirksregierung hätten nicht belegt, dass die sofortige Abholzung im Interesse des Gemeinwohls notwendig sei, weil anderenfalls die Energieversorgung nicht mehr gewährleistet wäre. Nach mehreren Studien, die unter anderem von Umweltverbänden in Auftrag gegebenen wurden, lässt sich der Anteil an Braunkohlestrom ersetzen.

Welche finanziellen Folgen hätte ein Hambach-Aus für RWE?

Ein kurzfristiger Verzicht auf den Tagebau würde den Konzern vier bis fünf Milliarden Euro kosten, hatte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz gesagt. Den wirtschaftlichen Schaden durch den Rodungsstopp beziffert RWE pro Jahr auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag ab 2019. Der Börsenwert von RWE schrumpfte gestern binnen weniger Stunden um mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Und die Folgen für die Arbeitsplätze?

Das ist laut RWE noch nicht absehbar. Zunächst müsste es umfangreiche bergbauliche Untersuchungen geben. Erst danach seien die Folgen für die Beschäftigten im Tagebau und den Kraftwerken abschätzbar.

Wie geht es jetzt vor Gericht weiter?

Der Fall liegt jetzt wieder beim Verwaltungsgericht Köln. Es muss im Hauptsacheverfahren über die BUND-Klage gegen den Hauptbetriebsplan für den Tagebau entscheiden. Das kann aber dauern. RWE geht davon aus, dass dies möglicherweise nicht vor Ende 2020 der Fall sein wird. dpa