Politik

Balkan Das Abkommen von Dayton wird an diesem Samstag 25 Jahre alt – der Vielvölkerstaat ist nicht zu einer Einheit zusammengewachsen

Bosnien-Herzegowinas unfertiger Frieden

Sarajevo.Als sich die Präsidenten von Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina im November 1995 in der US-Luftwaffenbasis Dayton (US-Bundesstaat Ohio) einfanden, unterwarfen sie sich ungewöhnlichen Regeln. Wie bei einer Papstwahl sollten Slobodan Milosevic, Franjo Tudjman und Alija Izetbegovic, nahezu abgeschottet von der Außenwelt, unter amerikanischer Vermittlung so lange miteinander verhandeln, bis eine Friedenslösung für den seit mehr als drei Jahren tobenden Krieg in Bosnien gefunden war.

Fast 100 000 Menschen starben bei Kämpfen und bei Massakern an unbewaffneten Zivilisten. Hunderttausende wurden vertrieben, Städte grausam von Artillerie und Scharfschützen belagert, ganze Landstriche verwüstet, Dörfer mutwillig niedergebrannt. Die meisten Opfer waren bosnische Muslime. Milosevic und Tudjman hatten sich darauf verständigt, Bosnien untereinander aufzuteilen. Die Siedlungsgebiete der ethnischen Serben und Kroaten sollten an das jeweilige „Mutterland“ angeschlossen werden. Serbien eroberte aber auch Gebiete, in denen wenige oder keine Serben lebten, um ein gebietsmäßig kohärentes „Groß-Serbien“ herzustellen. Die Nicht-Serben wurden ermordet oder vertrieben.

Die meisten Opfer waren Muslime

Im Herbst 1995 hatte sich jedoch die strategische Lage gewendet. Militärische Erfolge der Kroaten und Bosnier setzten den serbischen Para-Staat in Bosnien unter Druck. Die Nato-Artillerie hatte den serbischen Belagerungsring um Sarajevo nach mehr als drei Jahren gesprengt. Dies trug dazu bei, dass die drei Präsidenten in Dayton am 21. November ihre vorläufige Unterschrift unter das Friedensabkommen setzten. Formell unterzeichneten sie es dann am 14. Dezember in Paris.

Der Kern des Abkommens: Bosnien-Herzegowina blieb als Ganzes erhalten, allerdings als schwacher Gesamtstaat. Zwei Landeshälften – „Entitäten“ – wurden geschaffen: die Föderation BiH, hauptsächlich bewohnt von muslimischen Bosniern und Kroaten, und die Serbenrepublik (Republika Srpska), hauptsächlich bewohnt von Serben. Die internationale Gemeinschaft stellte eine Nato-geführte Schutztruppe, um den Frieden abzusichern, und einen Hohen Repräsentanten. Dieser konnte in die Politik eingreifen, wenn die lokalen Politiker gegen das Abkommens verstießen.

Trotzdem ist Bosnien zu keinem Staat zusammengewachsen. „Die Väter von Dayton hatten eben nur vor Augen, wie sie den Krieg stoppen können“, sagt Ex-Diplomatin Sonja Biserko, die das Helsinki-Komitee in Belgrad leitet. US-Unterhändler Richard Holbrooke legte Werkzeuge für einen Übergang auf den Tisch, in der Hoffnung darauf, „dass sich die Dinge von selbst entwickeln“. Das war eine Fehleinschätzung. dpa

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