Politik

Missbrauch Erzbischof wirft Franziskus Mitwisserschaft vor

Breitseite gegen den Papst

Archivartikel

Rom/Washington.Dass der Vatikan manchmal einem Intrigantenstadel gleicht, beweist derzeit ein elf Seiten langes Papier, das die Wellen hoch schlagen lässt. Verfasst hat es Carlo Maria Viganò, italienischer Erzbischof und Ex-Botschafter des Vatikans in den USA. Der hochrangige Würdenträger des Kirchenstaats holt darin zum Rundumschlag gegen Papst Franziskus aus, weil der in einem Missbrauchsskandal in den USA versagt habe, und fordert den Papst zum Rücktritt auf.

Im Kern geht es um die Vorwürfe gegen den inzwischen abgesetzten US-Kardinal Theodore McCarrick. Der frühere Erzbischof von Washington soll in den vergangenen Jahrzehnten reihenweise Seminaristen und Minderjährige missbraucht haben. Vor Kurzem entzog Franziskus McCarrick die Kardinalswürde. Doch Viganò wirft dem Papst vor, jahrelang schon von den Vorwürfen gewusst, aber zunächst nichts unternommen zu haben.

Attacke auf Homosexuelle

Der 77-jährige Viganò spielte bereits im sogenannten Vatileaks-Skandal eine Schlüsselrolle, der den Rücktritt des damaligen Papstes Benedikt XVI. einläutete. Als Viganò 2011 gegen seinen Willen in die USA geschickt wurde, soll er besorgt gewesen sein, dass Korruption und Misswirtschaft in der Kurie gedeihen könnten.

Hinzu kommt, dass sich die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Pennsylvania, wonach sich 300 Priester in dem Staat an mehr als 1000 Jugendlichen vergangen haben sollen, nur als die Spitze eines Eisbergs entpuppen könnten. Staatsanwälte in Missouri oder Illinois wollen ebenfalls Kirchenarchive öffnen.

Viganò zieht aber vor allem auch über Homosexuelle im Vatikan her. Im Vergleich zu seinen Vorgängern gilt Papst Franziskus als einer, der sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen einsetzt – obwohl sich an der Linie der katholischen Kirche mit Blick auf gleichgeschlechtliche Liebe nichts geändert hat. Auf die Frage von Reportern, was er von Viganòs Brandbrief halte, wollte der Papst nicht antworten: „Ich sage dazu kein Wort.“