Politik

Statistik Mehrheit behält alte Staatsangehörigkeit

Brexit fördert Doppelpass

Berlin/Wiesbaden.In Deutschland behalten sechs von zehn Eingebürgerten ihre alte Staatsbürgerschaft. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach haben im vergangenen Jahr 68 918 von insgesamt 112 211 Menschen trotz Einbürgerung in Deutschland ihre bisherige Staatsbürgerschaft behalten. Das entspricht einer Rekordquote von 61,4 Prozent. So gab kein eingebürgerter Iraner, Syrer, Afghane oder Marokkaner den Pass seines Herkunftslandes ab.

Dass die Doppelstaatler-Quote in den vergangenen beiden Jahren von 54 auf 61 Prozent gestiegen ist, führt die Bundesregierung vor allem auf den Brexit zurück. Ein Sprecher des Innenministeriums verwies in Berlin darauf, dass die Zahl der Einbürgerungen von britischen Staatsbürgern seit dem Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU massiv gestiegen sei. Tatsächlich zeigen die Zahlen der Statistiker, dass im Jahr 2015 nur 622 Briten die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben, im Jahr 2017 hingegen 7493 – so viele wie nie zuvor. EU-Bürger dürfen ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft behalten.

Einbürgerung nach acht Jahren

Eigentlich sieht das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz vor, dass ein Ausländer nach acht Jahren im Land eingebürgert werden kann – vorausgesetzt, dass er „seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgibt oder verliert“.

Von dieser Vorschrift wird allerdings abgewichen, wenn es sich um Bürger eines EU-Landes handelt oder wenn jemand seine bisherige Staatsangehörigkeit „nicht oder nur unter besonders schwierigen Bedingungen aufgeben kann“. Diese Regelung greift unter anderem bei Menschen aus Afghanistan, dem Iran und den Maghreb-Staaten –denn diese Länder ermöglichen ihren Bürgern grundsätzlich kein Ausscheiden aus der Staatsbürgerschaft. „Die hierdurch bedingte Hinnahme von Mehrstaatigkeit ist also im ausländischen Recht beziehungsweise in der dortigen Rechtspraxis begründet“, heißt es aus dem Innenministerium. dpa

Zum Thema