Politik

Atommüll Nur wenige Menschen protestieren am Rand der Zugstrecke und die Auseinandersetzungen halten sich in Grenzen.

Castoren erreichen Biblis ohne Verzögerung

Archivartikel

Biblis.Bilder von gewaltsamen Auseinandersetzungen und angeketteten Aktivisten wie einst in Gorleben blieben aus. Fast ohne Zwischenfälle ist der seit Jahren erste Transport von hoch radioaktivem Atommüll durch Deutschland vom niedersächsischen Hafen Nordenham am Mittwoch im südhessischen Biblis eingetroffen.

Um 10.10 Uhr habe sich das Tor des Geländes des früheren Kernkraftwerks hinter dem 600 Meter langen Zug geschlossen, sagte der Sprecher des für den Transport zuständigen Unternehmens Gesellschaft für Nuklear-Service, Michael Köbl. Hier sollen die sechs Behälter bei aller Kritik nun bleiben – bis es dann in Jahren ein Endlager für die noch Generationen strahlende Altlast deutschen Atomstroms gibt.

Ein Zug, bewacht von mehr als 11 000 Beamten der Bundespolizei, der Landespolizeien aus Hessen und Niedersachsen sowie Verstärkung aus anderen Bundesländern – inmitten der Corona-Pandemie. Im Gepäck der Einsatzkräfte ihr gesamtes Arsenal, nach Angaben der Bundespolizei erstmals auch Drohnen zur Überwachung aus der Luft. Auch in Biblis stand schon am Morgen ein Großaufgebot, um den Zug zu sichern. Ihnen gegenüber versuchten knapp zwei Dutzend Aktivisten einen lauten Protest.

Freundlicher Umgang

Statt Gewalt war der Umgang doch eher freundlich. Verbale Attacken und Handgreiflichkeiten blieben aus. Warum die Mobilisierung so gering war, ob wegen Corona, dem Atomausstieg oder weil Aktivisten andernorts wie bei den Rodungen für den Weiterbau der A49 in Hessen unterwegs sind – für die Gegner ist das Virus verantwortlich. „Corona ist nicht alle Tage – wir kommen wieder – keine Frage“, bilanzieren die Gegner von Castor-stoppen.

Auf der Hunderte Kilometer langen Strecke gab es vereinzelt Mahnwachen. Fünf Gegnern gelang es am Mittwoch noch, vorübergehend das Gleis in Richtung Biblis zu blockieren. Sie wurden nach Angaben der Polizei weggetragen. Gegen einen werde wegen Widerstandes ermittelt. Einfluss auf den umstritten Transport hatte das nicht mehr.

Kritisiert an dem Transport wurde neben dem Einsatz Tausender Beamter vor allem das Zwischenlager an dem Alt-Akw in Südhessen. Umweltschützer wie Greenpeace oder der Bund für Umwelt- und Naturschutz bemängeln fehlende Möglichkeiten, Castoren bei Undichtigkeiten zu reparieren, als „Sackgasse“. Die Kritik wies der Sprecher der zuständigen Gesellschaft für Zwischenlagerung, Burghard Rosen, am Mittwoch zurück.

Für Deutschland ist es der erste große Rücktransport von Atommüll in Castoren seit neun Jahren gewesen. In Biblis lagern nun 108 Castoren, drei weitere Transporte folgen in den kommenden Jahren noch in andere Zwischenlager. 

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