Politik

Oberbürgermeisterwahl Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle erlebt schwere Schlappe / Zweite Runde am 27. November notwendig

CDU-Mann Nopper liegt in Stuttgart klar vorn

Archivartikel

Stuttgart.Bei der Stuttgarter OB-Wahl liegt der CDU-Kandidat Frank Nopper überraschend klar vorn. Der Oberbürgermeister von Backnang erreicht am Sonntag in seiner Heimatstadt rund 32 Prozent. Weit abgeschlagen landet die Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle mit nur 17 Prozent auf dem zweiten Platz. Nach den Umfragen war eigentlich ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen beiden erwartet worden. Endgültig entschieden wird die Nachfolge des Grünen-Amtsinhabers Fritz Kuhn in drei Wochen im zweiten Wahlgang.

Einen Achtungserfolg erzielt Marian Schreier, der Bürgermeister von Tengen. Der mit 30 Jahren jüngste Bewerber kommt mit knapp 15 Prozent auf Platz drei. Schreier hat sich gegen das Votum der SPD beworben und muss für die Zeit des Wahlkampfs seine Mitgliedschaft ruhen lassen. Der von der Stuttgarter SPD unterstützte Martin Körner schneidet mit 9,8 Prozent deutlich schlechter ab. Zwischen beiden Genossen rangiert noch der von der Linken unterstützte Stuttgart 21-Gegner Hannes Rockenbauch.

Mit Kienzle, der ehrenamtlichen Stadtteilvorsteherin, können die Grünen ihr Potenzial in der baden-württembergischen Landeshauptstadt bei weitem nicht ausschöpfen. Bei der vergangenen Kommunalwahl 2019 wurden sie mit gut 26 Prozent die stärkste Fraktion im Gemeinderat. „Ein paar Prozentpunkte mehr hätte ich mir schon vorstellen können“, räumt die 58-Jährige am Wahlabend ein. Grünen-Promis wie Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der frühere Bundesvorsitzende Cem Özdemir hatten den Stuttgartern einen Korb gegeben.

Dagegen hat CDU-Mann Nopper das Kommunalwahlergebnis seiner Partei weit übertroffen. „Ich bin hochzufrieden und glücklich mit diesem Ergebnis“, freut sich der 59-Jährige. Nun könne er aus der Pole-Position in die zweite Runde starten. Ein Sieg Noppers in der Hochburg der Grünen würde der Rückenwind auf Landesebene verleihen. Bei der Landtagswahl in fünf Monaten fordert Kultusministerin Susanne Eisenmann Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann heraus.

Sichtlich stolz ist Marian Schreier mit seinem Ergebnis: „Das ist eine Sensation, dass ein unabhängiger Kandidat in Stuttgart gewinnen kann.“ So weit ist es allerdings doch noch nicht. Aber er fühlt sich in Schlagdistanz zu Kienzle, die nur zweieinhalb Punkte vor ihm liegt. Sein schlechtes Abschneiden erklärt sein Parteifreund Körner vor allem mit der internen Konkurrenz. „Es war sicher nicht optimal, dass gleich zwei Sozialdemokraten angetreten sind“, klagt der 50-Jährige.

Körner zieht aus der Schlappe noch am Wahlabend die Konsequenz und verzichtet auf den zweiten Wahlgang am 27. November. Allerdings lässt er offen, wen er unterstützen will. Dagegen halten sich Rockenbauch und Schreier ziemlich bedeckt. Beide wollen sich erst in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie in die zweite Runde gehen. Kienzle beschwört deshalb erst einmal vergeblich die Einigkeit im öko-linken Lager.

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