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Parteien 18 Jahre saß Friedensaktivist Jürgen Todenhöfer im Bundestag – heute verlässt er wütend die Union und will ihr mit einem eigenen „Team“ Stimmen abjagen

CDU-Veteran gründet neue Partei

Archivartikel

Berlin.Er war einer der bekanntesten CDU-Politiker Deutschlands – jetzt ist er Friedensaktivist und drängt zurück in den Bundestag: Jürgen Todenhöfer, Ex-Bundestagsabgeordneter, Verlagsmanager und Autor, will heute an seinem 80. Geburtstag am Brandenburger Tor das „Team Todenhöfer“ ausrufen. Gleichzeitig bricht Todenhöfer nach 50 Jahren mit der CDU, für die er 18 Jahre im Bundestag saß, und will seiner Ex-Partei im nächsten September möglichst viele Stimmen abjagen.

Mit Todenhöfer bewirbt sich eine der schillerndsten Figuren der deutschen Politik erneut um ein Mandat. Der promovierte Jurist war von 1972 bis 1990 im Bundestag und zunächst entwicklungspolitischer Sprecher und später abrüstungspolitischer Sprecher. Todenhöfer zog sich 1978 den Zorn des Oppositionsführers Helmut Kohl zu, über den er lästerte: „Im Schlafwagen kommt man nicht an die Macht.“ 1987 trat Todenhöfer in den Burda-Verlag ein und war stellvertretender Vorstandschef, bevor er 2008 wieder ausschied. Seitdem machte er als Friedensaktivist und Reporter mit spektakulären Reisen auf sich aufmerksam. Todenhöfer sorgte für Schlagzeilen mit einem TV-Interview mit Syriens Machthaber Assad und einer Reise zu Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS).

„Zutiefst humanistisch“

Seine Eindrücke verarbeitete er in Büchern, unter anderem in „10 Tage im Islamischen Staat“ und „Warum tötest Du, Zaid?“ Bei einer Lesung bezeichnete Todenhöfer den IS als ein „Baby von George W. Bush“. Syriens Machthaber nannte er im Jahr 2012 in vom britischen „Guardian“ geleakten Mails den „einzigen Anführer“, der Syrien „eine stabile Zukunft ohne Fremdherrschaft“ geben könne. Jetzt ist der 80-Jährige offenbar entschlossen, seiner prallen Biografie ein neues Kapitel hinzuzufügen. Seit eineinhalb Jahren geht er mit der Idee schwanger, in den vergangenen Monaten wurde es konkret. Mit „Team Todenhöfer“ soll der Einzug in den Bundestag klappen.

Wofür die Partei stehen soll? Der Gründer sagt: „Team Todenhöfer wird eine zutiefst humanistische Partei. Mit Mut zu Dingen, die sich andere Parteien nicht trauen. Sie wird vor allem ehrlicher, menschlicher und unabhängiger sein.“ Schwerpunkte sollen Friedenspolitik, Generationengerechtigkeit und eine neue Wirtschaftspolitik werden. Todenhöfer: „Die CDU war eine Partei des Friedens, heute steht sie für 13 teils völkerrechtswidrige Auslandseinsätze der Bundeswehr. „Was für ein moralischer Abstieg.“

Auch die Wirtschaftspolitik der Regierung treibt ihn um: „Ludwig Erhard würde sich im Grab umdrehen, wenn er das staatswirtschaftliche Gerede von Altmaier hören würde“, schimpft Todenhöfer. Er spricht sich für Steuererleichterungen und eine radikale Entbürokratisierung aus.

Unterstützer für die Partei stehen offenbar bereit. Todenhöfer: „Ich habe in den vergangenen Monaten mit vielen hochrangigen Experten aus allen Disziplinen gesprochen. In meinem Team sind über 3000 Menschen, aus denen sich jetzt ein engerer Kreis von rund 200 Leuten gebildet hat, mit denen wir dieses Projekt starten wollen.“ Bei der Finanzierung setzt Todenhöfer auf eigene Mittel und Crowdfunding.

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