Politik

Sterblichkeitsrate Experten rätseln noch, warum die Zahl der Toten je nach Land anders ausfällt

Corona verläuft unterschiedlich stark

Genf.Die Welt ist wegen der Coronavirus-Pandemie im Ausnahmezustand. Das Virus Sars-CoV-2 macht vor keiner Grenze halt. Dennoch gibt es markante Unterschiede bei den Totenzahlen. Deutschland sticht mit einer relativ niedrigen Zahl von Toten gemessen an der Gesamtzahl der registrierten Fälle – der sogenannten Fallsterblichkeitsrate – hervor. Bis Dienstag hatte Italien mehr als doppelt so viele Fälle wie Deutschland, die Fallsterblichkeit lag dort aber mehr als 20 Mal höher.

„Wir wissen ehrlich gesagt noch zu wenig“, sagt Richard Pebody, Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Die Fallsterblichkeitsrate ist rätselhaft.“ Er warnt davor, Länder zu vergleichen, denn die Rahmenbedingungen seien in jedem Land anders. „Das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen.“ Es gibt aber mehrere Erklärungsansätze, die alle eine Rolle spielen.

Der Epidemiezeitpunkt

„Italien und Spanien sind wahrscheinlich schon weiter in der Epidemie als Deutschland“, sagt Pebody. Dort dürften die ersten Fälle schon früher unentdeckt aufgetaucht sein, das Virus habe sich unbemerkt in der Bevölkerung verbreitet. Es dauere nach der Infektion eine Weile, bis sich Komplikationen einstellten.

Das Alter der Infizierten

Weil in vielen Ländern sehr wenig getestet wird, kennt man nur das Durchschnittsalter der nachweislich Infizierten. Es dürfte aber viele jüngere Leute geben, die das Virus schon hatten und nur milde Symptome spürten. Unter den nachweislich Infizierten ist das Durchschnittsalter in Italien höher als in anderen Ländern, auch Deutschland. Das Robert Koch-Institut (RKI) nennt nur die Altersgruppe ab 60 Jahren. Selbst da liegt der Anteil in Deutschland unter den italienischen Werten: Anfang der Woche waren 19 Prozent der Infizierten in Deutschland über 60, mehr als die Hälfte waren zwischen 35 und 59.

Die Anzahl der Tests

Die angegebene Altersstruktur der Fälle in verschiedenen Ländern sagt vor allem etwas über das Testen in einem Land. Würden in Italien mehr Jüngere getestet, sähe die Fallsterblichkeit ganz anders aus. Der Nothilfe-Koordinator der WHO, Michael Ryan, verweist auf die hohe Dunkelziffer bei den Infektionen: „In Deutschland gibt es eine aggressive Teststrategie, deshalb dürften dort unter der Zahl der bestätigten Fälle mehr milde Fälle sein.“

Das Gesundheitswesen

Je besser Krankenhäuser vorbereitet seien, desto mehr Leben könnten gerettet werden, sagt Ryan. Drei Faktoren seien entscheidend: die Zahl der Intensivbetten, ausreichend Schutzkleidung und gut ausgebildetes Personal auf den Intensivstationen. Italien mit rund 60 Millionen Einwohnern hatte vor der Krise 5000 Intensivbetten. In Deutschland mit rund 80 Millionen Einwohnern gibt es etwa 28 000, die Zahl soll nun verdoppelt werden. Insgesamt sind sich Experten einig, dass rigoroses Testen, Isolieren von Infizierten sowie Quarantäne für Menschen, die mit Infizierten in Kontakt waren, die Epidemie bremsen. 

Zum Thema