Politik

Fall Khashoggi US-Gemeindienst CIA hat Informationen über E-Mails des saudischen Kronprinzen / Experten sehen klare Indizien

„Das ist ein rauchender Colt“

Washington.CIA-Direktorin Gina Haspel ist verärgert über die Indiskretion, die zur Veröffentlichung einer streng geheimen Einschätzung des Mords an dem saudischen Regimekritikers geführt hat. Darin gelangt der US-Geheimdienst mit „mittlerer bis hoher Gewissheit“ zu dem Schluss, dass der Auftrag zu dem Mord direkt vom saudischen Thronfolger Mohamed bin-Salman ergangen sei.

Neben vielen anderen Indizien stützt sich die von US-Präsident Donald Trump bereits vor Tagen vorgelegte Einschätzung auf abgefangene Kommunikation zwischen dem Kronprinzen und seinem Chef-Propagandisten Saud al-Qahtani. Wie das „Wall Street Journal“ am Wochenende zuerst berichtete und andere Medien nun ebenfalls bestätigen, handelte es sich um elf E-Mails, die beide Männer rund um den Zeitpunkt des Verbrechens austauschten.

Ein von den Türken abgefangenes Telefonat zwischen al-Qahtani und dem Chef des 15-köpfigen saudischen Killer-Kommandos in Istanbul, Maher Abdulaziz Mutreb, belegt, dass die rechte Hand bin-Salmans den Einsatz von Riad aus koordinierte. In dem Telefonat aus dem Konsulat fordert Mutreb al-Qhatani auf, die Nachricht vom Tod des Regimekritikers weiterzugeben. „Erzähl es Deinem Boss.“

Bei dem Boss handelte es sich nach Einschätzung von Analysten innerhalb und außerhalb des CIA um den als „MbS“ bekannten Kronprinzen. „Das ist der rauchende Colt“, sagt Bruce Riedel, ein ehemaliger CIA-Analyst, der heute für die Denkfabrik „Brookings Institution“ in Washington tätig ist. „Die Frage ist nun, ob das Weiße Haus die Vertuschung der Vertuschung aufgibt?“

Konflikt unter Trumps Vertrauten

Die CIA-Direktorin ist genau deshalb so unglücklich über die Veröffentlichung der Einschätzung ihres Geheimdienstes. Denn sie legt einen Konflikt innerhalb der US-Regierung offen. Präsident Trump behauptet, es gebe keinen „direkten Beweis“, der „MbS“ mit dem Verbrechen in Verbindung bringe. In einer schriftlichen Stellungnahme des Weißen Hauses, die Präsident Trump persönlich diktierte, erklärte Trump nach dem damaligen Briefing durch Haspel, der CIA sei zu keinem „definitiven“ Schluss zur Rolle des Kronprinzen gelangt. „Vielleicht wusste er es, vielleicht nicht.“

In Washington nimmt nun der Druck auf Haspel zu, vor dem Kongress zu der Khashoggi-Affäre auszusagen. Eine Gruppe republikanischer und demokratischer US-Senatoren versucht, alle Waffenverkäufe nach Saudi Arabien zu blockieren, und drängt auf ein Ende der Unterstützung der USA für die Saudis im Jemen.

Der im Exil in den USA lebende saudische Regimekritiker Khashoggi wurde Anfang Oktober im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht, als er Dokumente für seine Hochzeit abholen wollte. Unter immensem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gab die autokratische Regierung erst viel später den Tod des „Washington Post“-Kolumnisten zu.