Politik

Psychische Belastung Umgang mit Isolation

Dem Alltag eine Struktur geben

Archivartikel

Mannheim.Die Coronakrise zwingt Deutschland zum Stillstand – doch was macht eine von außen angeordnete Isolation mit der Psyche? „Die China-Rückkehrer mussten in eine Kaserne, Menschen, die infiziert sind, müssen 14 Tage in Zwangsisolation, anders die Arbeitnehmer oder Elternteile, die nun zu Hause ihren Job erledigen oder auf ihr Kind aufpassen müssen. Das sind alles unterschiedliche Arten von ,unter Quarantäne sein’, und sie wirken sich ganz unterschiedlich auf die Psyche des Betroffenen aus“, sagt Barbara Lubisch, Stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung.

Die einen könnten mit der Situation gut umgehen, würden ihren Alltag dementsprechend ausrichten. Andere würden sich dagegen bedroht fühlen. „Ältere machen sich Sorgen um ihre Gesundheit. Jüngeren dagegen, dass sie im Homeoffice nicht effizient arbeiten können.“

In Kontakt bleiben

Klar ist: Eine Quarantäne sei keine Freiwilligkeit, in die man sich begibt. „Sie widerstrebt dem Kontrollbedürfnis des Menschen, selbstbestimmt zu leben“, erklärt Lubisch. Umso wichtiger sei es, die Situation zu akzeptieren, den Alltag zu strukturieren und das „Gefühl der Nützlichkeit“ zu behalten. So sollen Betroffene zur normalen Uhrzeit aufstehen, vormittags konzentriert ihrer Arbeit nachgehen oder andere Dinge erledigen und am Nachmittag ihre Freizeit genießen. „In Pyjamas den ganzen Tag fernzusehen lenkt zwar ab, aber macht keinesfalls zufrieden.“ Infizierte in Kliniken sollten unbedingt den Kontakt zu ihren Liebsten oder Arbeitskollegen halten – und sich bewegen. „Das ist ein Urbedürfnis.“

Hinter den Hamsterkäufen stecke Lubischs Meinung nach eine irrige Annahme, nur so das Sicherheitsgefühl wiederzuerlangen. „Oder es ist etwas, was noch von der Sammler- und Jägerzeit tief in uns verankert ist: in Notzeiten Vorräte anzulegen.“ So oder so sei diese Art von Angst völlig irrational. „Anders als im Krieg ist unsere Versorgung nicht gefährdet.“ Menschen sollten sich keinesfalls beunruhigen lassen, sich stattdessen überlegen: Was benötige ich für ein bis zwei Wochen an Lebensmitteln und Hygieneartikeln?

Rational dagegen sei die Sorge um Angehörige. „Es darf nicht gesagt werden: Oma oder Opa, wir kommen dich einen Monat lang nicht besuchen. Lieber von Woche zu Woche entscheiden, gemeinsam Pläne tüfteln und sich darauf freuen. Das trägt immens zur Verbundenheit bei.“

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