Politik

Rassismus Weltweit Monumente entfernt / Pentagon will Kasernen umbenennen / Umbruch droht Trump zu überrollen

Denkmäler werden gestürzt

Archivartikel

Washington.Mehr als anderthalb Jahrhunderte nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs holten Demonstranten den letzten Präsidenten der amerikanischen Südstaaten, Jefferson Davis, vom Sockel. Der Denkmalsturz von Richmond steht symbolisch ganz oben auf der Liste Dutzender Statuen, die in den vergangenen Tagen fielen, weil die Hauptstadt des Bundesstaates Virginia einst auch das politische Zentrum der Konföderation war.

Kniefalls statt Flagge

Seit dem Tod George Floyds werden landesweit Monumente, die nicht mehr nur von den 46 Millionen Afroamerikanern als Schandmale verstanden werden, gestürzt. Weiße Amerikaner beteiligen sich in gleichem Maße an deren Demontage. Sogar Trump-Bastionen wie die „National Football League“ oder die Autosport-Liga NASCAR unterstützen aktiv Veränderungen. Plötzlich ist das Knien von NFL-Spielern als Protest gegen Rassismus in Ordnung, während das Zeigen der Südstaaten-Flagge auf Rennplätzen ab sofort nicht mehr geduldet wird. Der Präsident kann seinen Augen nicht trauen, dass in Martinsville im Bundesstaat Virginia ein „Chevy“-Rennwagen mit der Aufschrift „Black Lives Matter“ seine Runden durch das Motodrom zieht.

Über seinen obersten General, den Joint Chiefs of Staff, Mark A. Milley, grollt der Präsident, denn der hatte sich bei seiner Abschlussrede für die Absolventen der renommierten „National Defense University“ für seinen martialischen Auftritt auf dem mit Tränengas geräumten „Lafayette“-Platz entschuldigt.

Überlegungen im Pentagon, zehn nach Südstaaten-Generälen benannte Kasernen umzubenennen, erteilte Trump via Twitter eine Absage. Dass der Präsident am 19. Juni, dem Gedenktag der Sklavenemanzipation, seine erste Großkundgebung seit Beginn der Pandemie abhalten will, halten Kritiker für keinen Zufall. Zumal auch der Ort eine Provokation ist. In Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma kam es 1921 zu einem der schlimmsten Massaker an Afroamerikanern in der Geschichte des Landes. Dass der Präsident den Parteitag der Republikaner von Charlotte nach Jacksonville verlegte, hat mehr mit dem Bestehen des Gouverneurs von North Carolina auf die sozialen Abstandsregeln zu tun, als dem Umgang mit der Geschichte.

Bürgerrechtler finden es taktlos, dass Trump seine erneute Nominierung an dem Tag akzeptieren will, an dem vor genau 60 Jahren ein weißer Mob auf Teilnehmer eines Protest der Bürgerrechtsbewegung losgingen. Trump wirkt selbst in eigenen Reihen mit seinen Reaktionen auf die Umbrüche wie ein Fossil. Der Princeton-Politologe Omar Wasow glaubt, dass Trumps Provokationen diesmal nicht aufgehen werden. „Er erreicht damit eine Nische, aber für große Teile des Landes ist er die Quelle des Chaos, nicht die Lösung.“

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