Politik

Kirche Frauen begleiten mit Demonstration die Debatten des „Synodalen Wegs“ der Katholiken in Frankfurt und fordern Zulassung zu Weiheämtern

„Der Ernst der Lage ist erkannt“

Archivartikel

Frankfurt/Mannheim.„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erlebe“, staunt Gerlinde Fontana am Tag danach. Die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Mannheimer Stadtteil Neckarau hat in Frankfurt demonstriert, sich dazu sogar ein Banner mit purpurnem Kreuz umgebunden. Sie wirbt für eine geschlechtergerechte katholische Kirche – denn darüber berät unter anderem die Versammlung „Synodaler Weg“ in Frankfurt.

Drinnen, im Dom und im ehemaligen Dominikanerkloster, sitzen 230 Bischöfe, Kirchenmitarbeiter, Ordensleute und engagierte Laien, dazu 20 Beobachter aus dem Ausland sowie von anderen Glaubensgemeinschaften. Das Kirchenrecht kennt diese Art von Versammlung nicht, dennoch haben die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sie einberufen. Zwei Jahre lang soll sie über Reformen beraten und Empfehlungen verabschieden – letzte Entscheidungen liegen ohnehin bei den Bischöfen oder dem Vatikan. Der vertritt etwa die Auffassung, viele Fragen, etwa Weiheämter für Frauen, lassen sich nur einheitlich für die Weltkirche klären.

Geänderte Zeiten

Dennoch ist das Thema auf der Tagesordnung in Frankfurt geblieben, wie auch die die Aufarbeitung von Fällen von sexuellem Missbrauch in der Kirche, die Frage der künftigen Lebensform der Priester (Zölibat) und die Sexualmoral der Kirche.

„Ich kann mich noch bestens daran erinnern, dass in den 1990er Jahren seitens des Klerus gesagt wurde, dass die kfd sich mit der Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit außerhalb der Kirche bewege“, denkt Maria Rude zurück, ebenfalls von der kfd aus St. Jakobus und in Frankfurt dabei: „Ich bin froh darüber, dass diese Zeiten sich geändert haben und die Anliegen von Frauen jetzt endlich diskutiert werden“, so Rude. „Die Frauen stehen auf gegen eine männerdominierte Kirche und das ist gut so. Da wollte ich unbedingt dabei sein“, ergänzt Gerlinde Fontana. Es habe „Spaß gemacht, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen.“ So sieht es auch Marianne Rohde von der kfd-Gruppe Teresa von Avila in der Mannheimer Gemeinde Maria Magdalena „Die Stimmung war konstruktiv und heiter“, sagt sie. Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz und sein Stellvertreter, Bischof Franz-Josef Bode, hätten sich viel Zeit genommen, um mit den Frauen zu sprechen. „Ich denke, dass die Kirche keine Zukunft hat, wenn die Forderungen von Frauen und ihre Sichtweisen in den Gremien nur bedingt einfließen“, so Marianne Rohde. „Der Ernst der Lage ist – glaube ich – wirklich erkannt“, meint Rohde: „Trotzdem bleibt die Frage, wer sich am Ende durchsetzt. Ich wünsche mir, dass da ein starkes Signal von Deutschland ausgeht, bin mir aber bewusst, dass Entscheidungen letztendlich an anderer Stelle fallen. Deshalb müssen wir laut sein und hartnäckig bleiben!“

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