Politik

Corona Männer sind häufiger Opfer – doch Frauen leiden in besonderer Weise unter der Pandemie

Der kleine Unterschied hat in der Krise große Auswirkungen

Archivartikel

Berlin.Corona ist nicht fair. Das Virus, die Krankheit und die Folgen treffen Männer und Frauen in unterschiedlichen Bereichen, unterschiedlich hart. In Deutschland etwa sind bisher mehr als 10 000 Menschen nach einer Corona-Infektion gestorben. Dass ein Großteil von ihnen älter als 70 Jahre alt war, ist hin und wieder Anlass für Diskussionen. Dass mehr als 1000 Männer mehr darunter waren, eher nicht.

Besonders offensichtlich ist der Unterschied in einer Altersgruppe: Mit 1594 Todesfällen sind rund doppelt so viele Männer im Alter zwischen 70 und 79 Jahren an Corona gestorben als Frauen. Aber auch bei den Jüngeren sind es mehr Männer, für die Covid-19 tödlich war.

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Nicht nur in Deutschland sterben mehr Männer an Corona. „Berichte aus China, Europa und den USA zeigen, dass es ungefähr eine ähnliche Anzahl von bestätigten Sars-CoV-2-Fällen bei Frauen und Männern gibt“, schreiben Wissenschaftler um den Mediziner Franck Mauvais-Jarvis in einer im August erschienen Studie. Wenn man sich allerdings den Verlauf der Fälle anschaut, ergibt sich ein anderes Bild: Der Schweregrad von Covid-19 sei bei Männern weltweit „durchweg 1,5- bis zweimal höher als bei Frauen“, so die Forscher. Warum das so ist, wissen die Wissenschaftler nicht. Sicher aber ist: Ein Mann zu sein, ist in der Pandemie ein Risikofaktor.

Debatte um Gleichberechtigung

Die Corona-Krise wiederum trifft dagegen eher die Frauen. Frauen bekämen die Auswirkungen der Pandemie deutlich stärker zu spüren als Männer, sagte UN-Generalsekretär António Guterres Anfang Oktober. Sie litten unter anderem unter einer „Schatten-Pandemie von geschlechtsbasierter Gewalt“. Laut einer weltweiten Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children aus dem September waren es Mädchen, die in der Corona-Krise weniger lernten und stärker im Haushalt mithelfen mussten.

In Deutschland wird seit Beginn der Krise darüber diskutiert, ob Corona die Gleichberechtigung um Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückwirft. Denn, so argumentierte zum Beispiel die Sozialwissenschaftlerin Jutta Allmendinger im Mai in einem Gastbeitrag für „Die Zeit“, es seien überwiegend Mütter gewesen, die angesichts geschlossener Schulen und Kitas einen „Rückzug aus dem Arbeitsmarkt vornehmen, sich um Kinder und Küche kümmern“.

Die Erforschung von geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Biologie und Medizin werde häufig als Spezialgebiet angesehen, schreiben der Forscher Mauvais-Jarvis und seine Kollegen. Eigentlich seien die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Bezug auf Covid-19 nicht unerwartet, sagte Sarah Hawkes, Direktorin des Centre for Gender and Global Health am University College London, der „Washington Post“. Wenn überhaupt, zeige dies nur, dass auch Ärzte sie immer noch unterschätzten.

Der Standard ist oft männlich

„Was Kliniker über die Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten wissen, stammt aus Studien, die hauptsächlich an männlichen Zellen, männlichen Mäusen und Männern durchgeführt wurden“, schreibt Mauvais-Jarvis. „Bikini-Medizin“ nennt der Experte diesen Irrglauben, dass Frauen sich von Männern nur hinsichtlich ihrer Geschlechtsorgane unterscheiden würden, in der „Washington Post“.

Doch nicht nur Mediziner leiden diesbezüglich oft an blinden Flecken. Auch in anderen Bereichen gelten Männer häufig immer noch als der Standard. Die britische Autorin Caroline Criado-Perez führt in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ einige Beispiele dafür auf: High-End-Smartphones etwa sind für Frauenhände zu groß, Crashtest-Dummys orientierten sich jahrzehntelang am durchschnittlichen Mann.

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