Politik

Porträts ÖVP-Chef Sebastian Kurz und Grünen-Mitgründer Werner Kogler werden zusammen regieren

Der Perfektionist und der Pragmatiker

Archivartikel

Wien.Ein 33-jähriger Konservativer und ein grüner Wirtschaftswissenschaftler gehen in Österreich eine Allianz ein. Wer sind die beiden Männer, die das Land leiten werden? Sebastian Kurz (Bild links) musste eineinhalb Jahre mit einem kleinen Makel leben. Seine Regierung mit der rechten FPÖ arbeitete reibungslos. Doch immer wieder sorgte der Koalitionspartner für Negativschlagzeilen – einem Perfektionisten wie Kurz kann das nicht egal gewesen sein. Nun steht der 33-Jährige aller Voraussicht nach künftig als Kanzler an der Spitze der ersten schwarz-grünen Bundesregierung in der Alpenrepublik. Seine Partei hat Kurz in den vergangenen zweieinhalb Jahren modernisiert und in den Spitzenpositionen auch deutlich verjüngt. Viele seiner Vertrauten sind nicht älter als 40, auch das neue Kabinett wird im Durchschnitt recht jung sein. Seine akribische Vorbereitung auf Termine und eine stets ausgefeilte Kommunikationsstrategie gehören zu den weiteren Zutaten für den Erfolg des jungen Kanzlers. Fehler macht er dabei kaum. Und wenn doch, dann werden sie ihm meist schnell verziehen. Die politischen Affären der vergangenen Monate blieben nicht an ihm haften. Begonnen hat sein Aufstieg mit der strikten Anti-Migrations-Haltung, die er schon 2015 vertrat. Als viele noch die Willkommenskultur befürworteten, warnte er vor unkontrollierter Migration.

Überzeugter Umweltpolitiker

Vor etwas mehr als zwei Jahren lag die Partei von Werner Kogler am Boden, mit 3,8 Prozent verpassten die Grünen bei der Wahl im Herbst 2017 den Einzug ins Parlament. Doch der 58-jährige Kogler nahm sich der Partei an, profitierte von der Allgegenwärtigkeit der Klimadebatte – und führte die Grünen wieder ins Parlament. 13,9 Prozent der Wähler konnten er und seine Unterstützer überzeugen. Der Wirtschaftswissenschaftler prägt seit mehr als 30 Jahren die Politik der Grünen mit und kommt dabei manchmal eher wie ein etwas zerstreuter Gelehrter rüber als wie ein scharfzüngiger Umweltaktivist. Doch Kogler strahlt dabei eine Überzeugung für die Sache aus: Für vernünftige, grüne Umweltpolitik. Vor der Wahl und den Koalitionsverhandlungen überzeugte er zudem mit seiner Lockerheit: Kogler präsentierte sich gerne mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, den gesamten Wahlkampf über begleitete ihn eine auffällige, neongrüne Sonnenbrille. Seit der Wahl und den Koalitionsverhandlungen zeigt der 58-Jährige sich aber mit Sakko und manchmal mit der Merkel-Raute.

Geboren wurde Kogler 1961 in Hartberg, bei Graz. In seiner Jugend zählten für ihn vor allem Parties und der Fußball. Das Interesse an der Politik kam langsam. 1982 gehörte er zu den Gründern der Alternativen Liste Österreich, einem Vorläufer der heutigen Grünen. 1999 zog Kogler erstmals als Abgeordneter in den Nationalrat ein. In den folgenden Jahren überzeugte er am Rednerpult.

Kogler wird als Vizekanzler vor der Herausforderung stehen, neben Kurz als Juniorpartner nicht unterzugehen. Dann wäre nicht ausgeschlossen, dass das Duo Kurz-Kogler in Zukunft die österreichische Politik langfristig prägt. dpa

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