Politik

USA CNN-Journalist nimmt Stellung zu Donald Trump, der die Staaten Mittelamerikas und Afrikas sowie die Briten verärgert

„Der Präsident ist ein Rassist“

Washington/London.Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein US-amerikanischer TV-Sender seine Zuschauer so begrüßt: „Hier ist CNN Tonight. Ich bin Don Lemon. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist ein Rassist. Viele von uns haben das lange gewusst.“

Lemon bezog sich auf kurz zuvor durchgesickerte Aussagen Trumps während eines Treffens mit Mitgliedern des US-Kongresses im Kabinettsraum des Weißen Hauses. Als diese ihm einen überparteilichen Kompromiss zur Einwanderung präsentierten, rieb sich der Präsident daran, dass Menschen aus Haiti, El Salvador und mehreren afrikanischen Staaten berücksichtigt werden sollten. „Warum haben wir diese ganzen Leute aus den ,Dreckslöcher’-Ländern hier“, fragte Trump gemäß Aussagen mehrerer Teilnehmer. „Wir brauchen nicht mehr Haitianer.“

Während das Weiße Haus die Äußerungen zunächst nicht bestritt, und mehrere Verbündete des Präsidenten sie als „Thekensprache“ verteidigten, versuchte Trump gestern Morgen via Twitter, sie zu entschärfen. Er habe „harte“ Worte für den unmöglichen Vorschlag der Gesetzgeber gefunden, aber nicht von „Dreckslöchern“ gesprochen. „Diese Sprache habe ich nicht gebraucht.“ Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Senat, Dick Durbin, wies das als Lüge zurück. „Er hat diese hasserfüllten Dinge gesagt und hat sie mehrfach wiederholt.“ Die Afrikanische Union zeigte sich alarmiert. Der Präsident scheine vergessen zu haben, „wie viele Afrikaner als Sklaven in die Vereinigten kamen“.

Affront gegenüber London

Weiterer Ärger bahnt sich in London an. Im Februar, so der Plan, sollte US-Präsident Trump eine neue US-Botschaft einweihen. Doch daraus wird nichts. „Ich soll das Band durchschneiden? NEIN“, verkündete der Republikaner gestern per Twitter. Seine Begründung für die harsche Absage: Er sei kein großer Fan davon, dass sein Amtsvorgänger Barack Obama die „vielleicht bestgelegene und feinste Botschaft in London“ für „Peanuts“ verkauft“ habe, nur um eine neue in einer entlegenen Lage für umgerechnet eine Milliarde Euro zu bauen. „Schlechter Deal“, schrieb er.

Nur: Es war nicht Obama, der die Verlegung der Botschaft anberaumte, sondern im Jahr 2008 der ehemalige Präsident George W. Bush. Wegen Sicherheitsbedenken – das bisherige Gebäude wurde als anfällig für Terroranschläge gesehen – beschloss die damalige US-Regierung den Umzug.

„Es scheint, als habe Präsident Trump die Botschaft vieler Londoner verstanden“, sagte gestern der Bürgermeister der britischen Hauptstadt, Sadiq Khan. Sein Besuch wäre ohne Zweifel auf Massen von friedlichen Protesten gestoßen. Kommt der US-Präsident nicht nach London „aus Angst, nicht willkommen geheißen zu werden“, wie jetzt Medien im Königreich ungewohnt einhellig meinen?

Tatsächlich planten etliche Aktivisten bereits große Demonstrationen – gegen Trump, seine Politik und vor allem gegen die noch immer ausstehende Einladung zu einem Staatsbesuch, die Premierministerin Theresa May im vergangenen Jahr ausgesprochen hat. So haben fast zwei Millionen Briten eine offizielle Parlamentspetition unterzeichnet, um zu verhindern, dass Trump die größte Ehre zuteilwird, die Großbritannien anzubieten hat: Die Vorstellung, dass Trump mit Königin Elizabeth in der vergoldeten Kutsche zum Palast fährt, stößt vielen Briten auf.

Hinzu kommt ein weiterer Termin, der Downing Street Kopfzerbrechen bereitet: die Hochzeit des Jahres, die Vermählung von Prinz Harry und Meghan Markle. Seit Wochen spekuliert die Presse über Befürchtungen der britischen Regierung, dass die Royals Obama einladen, aber Trump nicht auf der Gästeliste haben könnten. Und damit Trump brüskieren würden? Die Hochzeit könnte sich zu einem politischen Problem entwickeln.