Politik

ifo Bildungsbarometer Schülerinnen und Schüler nach Ansicht der Bundesbürger weitestgehend gleichberechtigt

Deutsche gegen getrennten Unterricht

Berlin.Frauen werden im Job oft benachteiligt – da sind sich viele Bundesbürger einig. Doch wie ist die Lage an den Schulen, in denen ja die Grundlagen für später gelegt werden? Und was könnte getan werden? Ein Überblick:

Wie schätzen die Bundesbürger die Lage auf dem Arbeitsmarkt ein?

62 Prozent der Frauen und fast jeder zweite Mann (49 Prozent) finden, Männer würden auf dem Arbeitsmarkt bevorzugt, wie das gestern in Berlin veröffentlichte ifo Bildungsbarometer 2018 zeigt. Dabei gelten Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Job den Forschern als „gesellschaftliche Norm“.

Wie ist die Lage an den Schulen in Deutschland?

Hier sehen die allermeisten keine Ungleichbehandlung. 79 Prozent der Frauen und 74 Prozent der Männer meinen, in der Schule werde kein Geschlecht bevorzugt behandelt. Für die Unis gelten ähnliche Werte. Bei einzelnen Schulfächern sieht es etwas anders aus. Rund jede vierte Frau und fast jeder dritte Mann sehen Mädchen im Sprachunterricht in der Schule als bevorzugt an. Andersherum halten jede und jeder Dritte Jungen im Sportunterricht für bevorzugt. Bei den Betroffenen selbst, den Jugendlichen, sind die Werte ähnlich, teils aber noch etwas ausgeprägter.

Gibt es Ungleichheit zwischen Mädchen und Jungen an Schulen?

Ja. So werden Jungen laut einem Gutachten des Aktionsrats Bildung zu größeren Anteilen verspätet eingeschult und besuchen zu geringeren Anteilen die Schule vorzeitig. Für eine Gymnasialempfehlung müssten sie eine höhere Leistung erbringen als Mädchen. Diese Studie stammt allerdings schon von 2009.

In welchen Fächern haben Mädchen und Jungen die Nase vorn?

In den Naturwissenschaften finden sich laut einer OECD-Studie von 2015 unter den besten Schülern überdurchschnittlich mehr Jungen als Mädchen (12,4 zu 8,7 Prozent). Immer wieder zeigten Untersuchungen, dass Mädchen in der Grundschule bessere Leistungen in Deutsch aufweisen, insbesondere im Bereich Orthografie. Sie sind auch beim Lesen besser. Jungen erzielen im Schnitt bessere Leistungen in Mathematik. Dies ging etwa im vergangenen Jahr aus dem IQB-Bildungstrend und der IGLU-Studie hervor.

Wäre getrennter Unterricht besser?

In den Augen der Bundesbürger nicht. Männer und Frauen sind laut Bildungsbarometer zu mehr als 70 Prozent dagegen, dass die Zahl reiner Mädchen- und Jungenschulen erhöht wird. Mehr getrenntgeschlechtlichen Unterricht lehnen die Bundesbürger ebenso deutlich ab. Gefragt wurde hier nach Mathe und Sprachen. Rund zwei von fünf Frauen und Männern finden aber, dass Sport an Grundschulen getrennt unterrichtet werden sollte. Unter den Jugendlichen gibt es noch mehr Befürworter für getrennten Sportunterricht: 54 Prozent der Mädchen und 48 Prozent der Jungen sind dafür. dpa

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