Politik

USA Nach widersprüchlichen Signalen seiner Regierung zum Konflikt in Nordkorea lässt der US-Präsident den Streit noch weiter eskalieren

"Die Äußerung war nicht scharf genug"

Feuer und Wut brodeln in seinem Inneren. Als es bereits schien, dass sich US-Präsident Donald Trump nach seinem martialischen Ausbruch in Richtung Nordkorea wieder der Innenpolitik zuwendet, trat Trump an seinem Urlaubsort in New Jersey wieder vor die Presse - und die diplomatische Atempause bis dahin war vorüber. Ob seine Drohung mit einer Reaktion auf das nordkoreanische Atomwaffenprogramm, "wie sie die Welt noch nicht erlebt hat", zu hart sei, stellte sich der Präsident zu Beginn eine rhetorische Frage. "Vielleicht war sie nicht scharf genug", lautete seine Antwort. Nordkorea drohe den USA schon so lange, dass es höchste Zeit sei, ein Machtwort zu sprechen. Und noch einmal: "Wenn überhaupt, dann war die Äußerung nicht scharf genug." Die Eskalation der hochgefährlichen Situation ist typisch für Trump. Zurückweichen gilt dem Immobilienmogul als Zeichen von Schwäche.

Apokalyptische Beschwörung

Und fast hätte man glauben können, die US-Regierung wolle seine apokalyptische Beschwörung von "Feuer und Wut", die über dem nordkoreanischen Volk niedergehen könnten, etwas mildern. Die Formulierung sei mit keinem seiner Berater abgesprochen gewesen, hieß es in Washington. Außenminister Rex Tillerson hatte auf dem Rückflug von Gesprächen in Asien beruhigend versichert, derzeit gehe von dem Regime in Pjöngjang keine akute Gefahr aus: "Die Amerikaner sollten nachts gut schlafen." Das klang deutlich gedämpfter als Trumps alttestamentarischer Ausbruch.

Die Medienleute der Regierung bemühten sich eifrig, die Gegensätze zu verkleistern. "Das waren seine eigenen Worte. Aber der Grundton und die Deutlichkeit sind vorher diskutiert worden", trat Trump-Sprecherin Sarah Sanders dem Eindruck zunehmend unkontrollierbarer präsidialer Eruptionen entgegen. Auch Heather Nauert, die Sprecherin des Außenministeriums, beteuerte: "Wir sprechen alle mit einer Stimme."

Der öffentliche Eindruck ist anders. Viele US-Medien berichteten, auch unter den engsten Beratern Trumps wachse die Irritation über die sprunghaften Alleingänge des Präsidenten.

Strategien prallen aufeinander

Den Berichten zufolge gibt es im Weißen Haus zwei Denkschulen: Während Verteidigungsminister James Mattis und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster - zwei ehemalige Generäle - grundsätzlich für einen harten Kurs im Umgang mit dem stalinistischen Regime in Nordkorea plädieren, hält Chefstratege Stephen Bannon den Konflikt mit China für wesentlich wichtiger und rät, Diktator Kim Jong Un nicht durch zu viel Aufmerksamkeit aufzuwerten. Außenminister Tillerson wiederum bemüht sich um eine diplomatische Lösung. Weder die einen noch die anderen im Weißen Haus würden jedoch die "Feuer-und-Wut"-Metapher unterstützen, berichtete die "New York Times".

Nun will Trump offenbar beweisen, dass er sich nicht beeinflussen lässt. Bei der Unterrichtung zur Sicherheitslage legte er nach. Falls Nordkorea daran denke, irgendjemand anzugreifen, der mit den USA verbunden sei, "werden Dinge passieren, die man nicht für möglich gehalten hätte", drohte er. "Was kann härter sein als Feier und Wut?", fragte ein Reporter. "Sie werden es sehen", antwortete Trump vielsagend.

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