Politik

CDU Die Bewerber um den Parteivorsitz, Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen, bei der Jungen Union

Die Drei von der Zankstelle

Berlin.Der Wettstreit um den CDU-Vorsitz nimmt wieder an Fahrt auf. Am Samstagabend haben sich die drei Anwärter auf die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer der Jungen Union vorgestellt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen warben mit Blick auf die Vorsitzendenwahl Anfang Dezember um die Gunst der Parteijugend. Diese verfolgte – von wenigen Ausnahmen im Saal abgesehen – den Schaulauf Corona-bedingt im Livestream.

Laschet präsentierte sich als praxiserprobter Politiker, als Macher in der Corona-Krise. „Nicht nur immer Reden halten, sondern im Konkreten handeln”, sagte der Ministerpräsident und listete seine Bemühungen um Klimaschutz, Digitalisierung, Schulden- und Bürokratieabbau auf. Merz versprach die Versöhnung von Umwelt und Wirtschaft: „Ich stehe für eine ökologische Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft”, sagte er und forderte mehr Aufbruchsgeist. „Dieses Land ist zu langsam, wir sind zu träge geworden”, so Merz.

Röttgen verwies auf die Notwendigkeit außenpolitischer Expertise angesichts einer zunehmend dramatischen Weltlage. „Wir müssen verstehen, was in der Welt um uns herum vorgeht”, so der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses. „Weder das Land noch die CDU sind angemessen auf das, was kommt, vorbereitet”, mahnte er und sprach von einem „Epochenbruch”.

Laschet: „Läuft nicht alles falsch“

Röttgens kritische Einlassungen zu Versäumnissen in der Digitalpolitik konterte Laschet scharf: „Wir sollten auch nicht sagen, seit 20, 30 Jahren läuft alles falsch”, sagte er und erinnerte Röttgen daran, dass es die CDU ist, die das Land seit einer ganzen Weile regiert. Auch Röttgens Forderung nach mehr Zuständigkeiten des Bundes in der Bildungspolitik wies der NRW-Ministerpräsident zurück. Das Ausspielen des Bundes gegen die Länder helfe nicht weiter, so Laschet. „Je konkreter man es vor Ort entscheiden kann, desto besser.”

Inhaltlicher Dissens tat sich auch beim Thema Rente auf. Als der junge Moderator wissen wollte, ob er bis 67 arbeiten müsse, antwortete Laschet: „Könnte vielleicht ein Tag mehr sein.” Merz hingegen versprach dem Fragesteller: „Sie gehen in Rente an dem Tag, an dem sie in Rente gehen wollen.” Das Ausscheiden aus dem Job dürfe keinen starren Altersgrenzen unterliegen. Was wiederum Röttgen zur Feststellung veranlasste, persönliche Freiheit sei zwar gut, „aber es geht den meisten Menschen in abhängigem Beschäftigungsverhältnis um Sicherheit.”

Die Junge Union inszenierte das Werben um ihre Stimmen als eine Art Casting-Show. In Anlehnung an den Sprachgebrauch in der Marketingbranche bezeichnete sie das Werben der Kandidaten um die Sympathien der Jugend als „Pitch”. Zu gewinnen gibt es eine Trophäe in Mikrofonform – die „Stimme der Junge Union“. „Wer die junge Generation überzeugen will, der muss heute liefern”, sagte JU-Chef Tilman Kuban eingangs. Er versprach sich von dem Format „konkrete Antworten”. Fragen stellten zugeschaltete JU-ler. Hinter der Bühne saßen vier ausgeloste JU-Mitglieder an einem Wohnzimmertisch: Drei Frauen mit sehr ausgeprägten Sympathien für je einen der Kandidaten und ein unentschlossener Mann. An ihnen war es, zumindest etwas Stimmung in das überwiegend virtuelle Format zu transportieren.

Im Wissen um den großen Zuspruch, den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei den jungen Konservativen genießt, erwähnte Laschet in seinem Schlussplädoyer dessen Namen. Er wolle „zusammen mit Jens Spahn kämpfen, der mit zum Team gehört”, sagte Laschet. Merz stellte sich und seine Kandidatur in Beziehungen zu Angela Merkel, deren Regierungszeit im nächsten Jahr – „das ist das Ende einer langen und erfolgreichen Zeit.” Es werde „eine große Herausforderung” sein, ohne Merkel in die Bundestagswahl zu gehen, so Merz.

Ein Name, der an diesem Abend nicht fiel, ist der des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Ihm trauen in Umfragen die meisten Befragten die Kanzlerschaft zu. Die rund 70 000 JU-Mitglieder haben nun zwei Wochen Zeit, ihren Favoriten zu wählen. JU-Chef Kuban versicherte, das Votum des Parteinachwuchses werde für seine persönliche Wahlentscheidung auf dem Parteitag am 4. Dezember bindend sein.

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