Politik

Bundesvorsitz Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow

Die Linke hat ein neues Spitzenduo

Archivartikel

Wiesbaden/Erfurt.Janine Wissler hat lange überlegt, ob sie wirklich für den Bundesvorsitz ihrer Partei kandidieren soll. Die 39-jährige Fraktionschefin der Linken im Hessischen Landtag ist mit Leidenschaft Parlamentarierin in Wiesbaden, wo sie als scharfzüngige, aber selten polemische Debattenrednerin über die Grenzen ihrer eigenen Partei hinaus geschätzt wird. Bei der Wahl zwischen einer erneuten Landtagskandidatur oder einer Bewerbung für den Bundestag hatte sie sich noch vor zwei Jahren für Wiesbaden und damit gegen Berlin entschieden.

Doch am Freitag hat Wissler Ja gesagt und ihr Antreten für die Bundesspitze der Linken auf dem Parteitag Ende Oktober angekündigt. Das bedeutet keinen sofortigen Abschied aus der Landespolitik, denn ihr Abgeordnetenmandat in Wiesbaden wird die Politikerin ebenso erst einmal behalten wie den Fraktionsvorsitz der Linken. Klar ist aber auch, dass sie als amtierende Parteichefin bei der Wahl in einem Jahr in den Bundestag wechseln wird.

Gut möglich, dass Wissler mit ihrem rhetorischen Talent im Bundestag zu den großen Rednerinnen avanciert. Als talkshowtauglich gilt sie schon lange. In ihrer Partei, in der sie stellvertretende Bundesvorsitzende war, wird die Politikwissenschaftlerin dem linken Flügel zugerechnet. Der Eintritt in eine rot-rot-grüne Bundesregierung gilt der in Langen geborenen und in Frankfurt lebenden Wissler nicht als oberstes Ziel.

Sie ist aber auch Pragmatikerin genug, so etwas nicht auszuschließen, wenn die Inhalte stimmen. Schließlich hat die hessische Linke mit ihr schon zwei Mal versucht, ein derartiges Regierungsbündnis in Wiesbaden zu installieren. „An uns ist es nicht gescheitert“, betont die Linke. „Wir brauchen eine starke Linke, die verankert ist in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die innerhalb und außerhalb der Parlamente für soziale Gerechtigkeit, ökologischen Umbau, Antirassismus, mehr Demokratie und konsequente Friedenspolitik eintritt, die konkrete Kämpfe unterstützt und eine antikapitalistische Perspektive aufzeigt.“

Neben Wissler tritt Thüringens Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow (42) für den Bundesvorsitz an. Die eloquente Politologin ist bereits Vize-Bundesvorsitzende. Hennig-Wellsow ist frühere Profi-Eisschnellläuferin und gilt als führungsstarke Pragmatikerin. Bundesweit bekannt wurde sie im Februar, als sie dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich nach dessen Wahl zum Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD einen Blumenstrauß vor die Füße warf. (mit dpa)

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