Politik

Vortrag Ehemalige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles spricht im Kloster Maria Laach über Gleichberechtigung und ihre Karriere

„Die Macht war ein flüchtiges Reh“

Glees.Andrea Nahles wollte eigentlich nicht über die SPD reden. Aber so ganz ließ es sich doch nicht vermeiden. Anfang Juni hatte sie sich mit einem „Machen Sie’s gut“ in Berlin aus dem Amt der SPD-Vorsitzenden und auch aus dem Scheinwerferlicht des Politikbetriebes verabschiedet – nun tauchte die 49-Jährige in der Benediktinerabtei Maria Laach in Glees wieder auf. Ein Heimspiel in beschützender Umgebung sozusagen: Die Abtei liegt nur etwa 15 Kilometer von ihrem Wohnort im Eifeldorf Weiler entfernt.

„Klar fühle ich mich wohl hier in Maria Laach“, sagte Nahles im mächtigen Kloster, das eine fast 1000-jährige Geschichte hat. Andrea Nahles hat hier in früheren Jahren auch schon oft gebetet. Sie ist Mitglied im Verein der Freunde des Klosters, kennt viele Menschen in der Abtei. Aus der Klosterwerkstatt von Maria Laach hatte die bekennende Katholikin ein Kreuz für ihr Büro mitgenommen, als sie aus der heimatlichen Eifel nach Berlin zog, um dort in der Bundespolitik mitzumischen.

Erst gegen Ende der Veranstaltung, nachdem viel über Gleichberechtigung geredet worden war, wird sie gefragt, ob sie für dieses Ziel auch im Bundestag kämpfen werde. Noch ist sie Bundestagsabgeordnete. Und bisher hat sie sich mit klaren Aussagen darüber zurückgehalten, ob und wann sie ihr Mandat aufgeben will. Zunächst zog sie sich auf die Formel „Die Frage wird sich zügig, zeitig und in absehbarer Zeit beantworten“ zurück. Um dann doch hinzuzufügen: „Man muss auch manchmal wissen, wenn man etwas Neues anfangen muss.“ Später antwortete sie auf die Frage, ob ihr nach dem Rücktritt vom SPD-Chefposten etwas fehle, kurz: „Nein.“

Aber natürlich konnte Nahles über die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht reden, ohne auch über eigene Erfahrungen zu sprechen. Und damit auch über die SPD. „Ich bin in die Vorstände und Präsidien gekommen, aber die Macht war ein flüchtiges Reh“, erinnerte sie sich an die eigene Karriere. Die Frau, die der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine ein „Gottesgeschenk an die SPD“ genannt hatte, sagte über den Grund für mangelnde Macht von Frauen in wichtigen Gremien: „Die Jungs haben sich vor und nach dem Präsidium getroffen.“

Kritik an Frauenanteil in Politik

Und dann fügt sie über ihre Zeit als SPD-Vorsitzende noch hinzu: „Als ich dann an der Spitze war, da gab es nicht so viele Zirkel, wo ich nicht dabei war. Aber doch zu viel.“

In Sachen Gleichberechtigung sei noch viel zu tun, das war Nahles’ Botschaft. Es gebe „einen Rollback, es geht wieder rückwärts“, befand sie. Der Frauenanteil im Bundestag sei von 36 Prozent in der vergangenen Legislaturperiode auf nun 30 Prozent gesunken. Noch schlimmer sehe es in den Chefetagen der großen Unternehmen aus. Und: „Mir scheinen auch die materiellen Voraussetzungen für Gleichberechtigung noch nicht da zu sein.“ dpa

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