Politik

SPD Der Politiker Michael Groß über seinen Brandbrief, der zum Rücktritt von Andrea Nahles geführt hat

„Die Niederlagen waren dramatisch“

Archivartikel

Berlin.Nach der für die SPD verheerenden Europawahl forderte der Abgeordnete Michael Groß eine Sondersitzung der Bundestagsfraktion, um zu klären, ob Andrea Nahles noch Vertrauen genieße. Das führte im Sommer zu ihrem Rücktritt.

Herr Groß, haben Sie damit gerechnet, dass Ihr Brief solche Folgen haben würde?

Michael Groß: Nein, natürlich nicht. Für mich war es etwas ganz Normales: Wenn man eine Wahl verliert, setzt man sich zusammen und bespricht die Konsequenzen und geht nicht einfach so darüber hinweg.

Sie wollten also Andrea Nahles gar nicht direkt weghaben?

Groß: Nein. Ich bin zwar nicht ihr glühendster Anhänger gewesen. Aber mir ging es wirklich darum, wie es weitergeht. Die Niederlagen bei der Europawahl und bei der Bremen-Wahl waren dramatisch. Da muss man sich Gedanken machen: Stehen Partei und Fraktion noch hinter der Vorsitzenden? Und wie muss man sich aufstellen? Das ist wie im Fußball, da stellt sich irgendwann auch die Trainerfrage, wenn man immer verliert.

Warum haben Sie den Brief nicht intern gehalten?

Groß: Weil ich gefragt worden bin, was wir angesichts der Niederlagen machen. Und da habe ich gesagt, dass ich diesen Brief geschrieben hätte. Es ist nicht die Frage, warum dieses Schreiben öffentlich wurde, sondern die Frage ist, warum Andrea Nahles auf das Wahlergebnis an jenem Montag zunächst praktisch nicht reagiert hat.

Sind Sie mit dem Ausgang jetzt zufrieden?

Groß: Mit Rolf Mützenich bin ich sehr zufrieden. Er ist sehr kompetent und wirkt integrierend. Was die Partei angeht, kann man sich streiten. Wir wollten mit der Urwahl ja eine Mobilisierung bewirken, aber 70 Prozent der Mitglieder haben die beiden nicht gewählt. Man wird sehen. Die inhaltlichen Diskussionen auf dem Parteitag waren sehr gut.

Wird die Doppelspitze Borjans/Esken das Jahr 2020 überstehen?

Groß: Beide müssen sich beweisen. Beide sind mit Mehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt worden. Es geht nicht um Groko ja oder nein. Wir müssen die Lebenssituation der Menschen verbessern. Wir, die SPD, müssen Vorbild im Alltag sein und sind die Lobby für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

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