Politik

Politbarometer Schlechte Platzierungen in der Rangliste der zehn populärsten Politiker / Kein klarer Umfrage-Favorit für CDU-Vorsitz

Die unbeliebten Kandidaten

Mannheim.Im Dezember will die CDU auf ihrem Parteitag in Stuttgart einen neuen Vorsitzenden wählen. Einen klaren Favoriten für die Nachfolge Annegret Kramp-Karrenbauers gibt es nicht. Die drei bisherigen Bewerber kommen alle aus Nordrhein-Westfalen, keiner kann also auf eine sichere Hausmacht setzen.

Auf der politischen Bühne schlagen sich Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen unterschiedlich. NRW-Ministerpräsident Laschet taucht wegen Corona häufiger in den Schlagzeilen auf, Kritikern sind seine Pandemie-Maßnahmen aber zu locker. Merz hat kein Amt, oft schafft er es nur mit einem Tritt ins Fettnäpfchen in die Nachrichten – wie jüngst mit seinen Äußerungen zu Homosexuellen. Außenpolitiker Röttgen gilt als Außenseiter, hat aber im Fall Alexej Nawalny seine Chance genutzt und in vielen Interviews immer wieder Sanktionen gegen Russland gefordert.

Zähes Rennen

Im aktuellen Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen spiegelt sich das zähe Rennen der drei Bewerber um den CDU-Vorsitz wider. 28 Prozent der Wähler glauben, dass Laschet seine Partei am ehesten erfolgreich in die Zukunft führen würde. Bei Merz sind es 24 Prozent, für Röttgen sprechen sich nur 17 Prozent der Befragten aus. Rund ein Drittel will sich auf keinen Fall festlegen. Im Unionslager hat Merz mit 32 Prozent die Nase vorn, Laschet (29) und Röttgen (18) wird weniger zugetraut. Jeder Fünfte der Unionsanhänger will oder kann kein Urteil abgeben.

„Die Entscheidung treffen aber nicht die Wähler, sondern die Delegierten des Parteitags. Deshalb ist die Aussagekraft der Umfrage in diesem Punkt begrenzt“, sagt Matthias Jung von der Forschungsgruppe. Klar sei aber, dass weder Laschet noch Merz als „die großen Bringer“ eingestuft werden könnten. In der aktuellen Rangliste der zehn beliebtesten Politiker belegt Laschet den drittletzten Platz, Merz bildet sogar das Schlusslicht. „Ihre Werte sind sehr bescheiden, und Röttgen taucht nicht einmal im Ranking auf“, sagt Jung. Laschet erzielt auf der Skala von plus fünf bis minus fünf einen Wert von 0,7, bei Merz sind es minus 0,1. Selbst bei den eigenen Anhängern schneiden die Konkurrenten mit 1,3 (Laschet) und 1,1 (Merz) schlecht ab. Zum Vergleich: Gesundheitsminister Jens Spahn, der Laschets Stellvertreter an der Parteispitze werden will, kommt bei allen Befragten auf 1,5 und landet auf dem dritten Platz. Im eigenen Lager sind es 2,5 – das sind gute Werte.

„Diese sind aber nicht in Stein gemeißelt“, sagt Jung. „Die Wahl einer Person erzeugt auch Zustimmung. Wenn die CDU ihren Häuptling gewählt hat, wird der Rückhalt in der Partei wachsen.“ Allerdings gibt es nach Ansicht des Wahlforschers auch Grenzen bei der Mobilisierungsfähigkeit: „Ministerpräsidenten werden normalerweise nur wenig auf Bundesebene wahrgenommen. Laschet ist vor allem in NRW bekannt, daran haben seine Profilierungsversuche in der Pandemie wenig geändert. Merz wiederum ist ein klassischer Neoliberaler, dem das sozialpolitische Profil fehlt. Deshalb polarisiert er viel mehr.“

Weil es keinen rundum überzeugenden Kandidaten für den Chefposten gibt, haben einige CDU-Bundestagsabgeordnete jetzt Spahn ermuntert, selbst anzutreten. Der „Spiegel“ zitiert dabei auch Vorstandsmitglied Olav Gutting (Bruchsal-Schwetzingen) und Nikolas Löbel aus Mannheim. Gutting würde sich „mit vielen anderen freuen“, wenn Spahn es sich anders überlegen sollte. Löbel über die bisherigen Kandidaten: „Keiner steht so richtig für Aufbruch und Erneuerung.“

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