Politik

Parteien In der Union ist die Debatte um die Merkel-Nachfolge längst entbrannt / Teile der SPD bringen Olaf Scholz in Position

Die ungewollte Kandidaten-Frage

Archivartikel

Berlin.Bitte nicht die K-Frage stellen: Spitzenpolitiker von CDU und CSU versuchen, die Debatte um den nächsten Kanzlerkandidaten der Union klein zu halten. In Umfragen liegt CSU-Chef Markus Söder dabei deutlich vorn – er betonte aber bisher stets, sein Platz sei in Bayern. „Markus Söder ist ein sehr guter Ministerpräsident und führungsstarker CSU-Vorsitzender. Die Frage, wer Kanzlerkandidat wird, diskutieren wir jedoch, wenn es so weit ist, und nicht jetzt, mitten in einer so ernsten Lage für das Land“, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Mit diesem Aufruf ist er nicht alleine. Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) hatten vor verfrühten Debatten gewarnt. Ziemiak verwies auf den Zeitplan der Union: Erst nach dem CDU-Parteitag Anfang Dezember, bei dem die Partei einen neuen Vorsitzenden wählen will, werde man „mit der CSU besprechen, wer unser gemeinsamer Kanzlerkandidat werden wird“, sagte er. Für Personaldebatten sei in der Corona-Krise nicht die Zeit. Dabei war es das Krisenmanagement in den Corona-Monaten, das Söders Ansehen in Umfragen nach oben trieb und seinem vielleicht stärksten Konkurrenten, Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU), Kritik einbrachte. Laschet bewirbt sich um den CDU-Vorsitz, ebenso wie Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Diesen dreien trauen – Stand jetzt – deutlich weniger Bürger das Kanzleramt zu als Söder.

Trennen lässt sich der CDU-interne Wahlkampf von der K-Frage nicht. Aktuellen Umfragen zufolge hat die Union mit 37 bis 39 Prozent die deutlich besten Chancen, auch nach der Ära Merkel den Kanzler zu stellen – zum Ärger der SPD, die nach wie vor bei 14 bis 16 Prozent steht und damit hinter den Grünen. Allerdings hoffen bei den Sozialdemokraten viele, dass es für sie leichter wird ohne den „Merkel-Effekt“.

Banger Blick auf Umfragen

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat denn auch kein Problem damit, über die Kanzlerkandidatur zu sprechen. Sein Favorit ist klar sein Vorgänger, der heutige Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz. „Ich kenne Olaf Scholz seit über 20 Jahren und weiß, dass er als Kandidat und auch als Bundeskanzler sehr geeignet wäre“, sagte Tschentscher der Deutschen Presse-Agentur.

Auch wenn die SPD als Ganzes im Bund bislang nicht recht aus dem Umfragekeller hinauskommt, lege zumindest Scholz in der Beliebtheit zu, sagte Tschentscher. „Insofern dürften mit Scholz als Kanzlerkandidat auch die Umfragewerte der SPD besser werden.“ dpa

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