Politik

Schulen Das Vorzeigeprojekt von Grün-Schwarz hängt zur Halbzeit der Legislaturperiode noch in der Finanzierungsfrage fest

Digitalisierung: ungenügend

Archivartikel

Stuttgart.Die seit Winter 2016/2017 geltenden Bildungspläne in Baden Württemberg sehen für alle Klassenzimmer leistungsfähige Internetanschlüsse vor. Davon kann an vielen Schulen nicht die Rede sein. Land und Kommunen können sich nicht über die Finanzierung einigen. Und auch der Start der als Vorzeigeprojekt des Kultusministeriums gedachten digitalen Bildungsplattform „ella@bw“ wurde von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) abgesagt. Grund: Die für den technischen Betrieb zuständige Landesoberbehörde IT Baden-Württemberg und der IT-Dienstleister Kommunale Datenverarbeitung Baden-Franken meldeten eine unzureichende Serverleistung.

Was ist mit der Digitalisierung der Schulen überhaupt gemeint?

Ein leistungsfähiger Breitband- oder Glasfaseranschluss von Schulgebäuden ans Internet, die Ausstattung von Klassen- und Fachräumen mit WLAN und digitaler Präsentationstechnik, digitale Lehrmittel für Lehrkräfte und digitale Lernmittel für Schüler sowie digitale Medien.

Gibt es Ausstattungsunterschiede zwischen Schularten?

Mangels Erhebung seit 2006 sind keine verlässlichen Angaben möglich. Haupt- und Werkrealschulen, damit auch die aus ihnen entstandenen Gemeinschaftsschulen, sind nach früheren Angaben aber tendenziell besser ausgestattet als Realschulen und Gymnasien. Für Grundschulen ist Unterricht mit Medien erst seit dem Bildungsplan 2016 vorgesehen.

Was hat es mit den „Wanka-Milliarden“ auf sich?

Die vormalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hatte fünf Milliarden Euro für die digitale Medienausstattung der deutschen Schulen angekündigt. Rund 650 Millionen Euro davon würden rechnerisch auf Baden-Württemberg entfallen. Diese Unterstützung sieht auch die Koalitionsvereinbarung von CDU und SPD vor, wobei sich der Betrag für die laufende Legislaturperiode bis 2021 auf 3,5 Milliarden Euro belaufen soll. Geflossen ist aber noch kein einziger Euro. Kultusministerin Eisenmann sagt dazu auf Anfrage: „Es gibt vom Bundesministerium keine Terminplanung, es gibt keine Aussage zu der Frage, ob die im vergangenen Jahr vereinbarten Eckpunkte weiter gelten. Die Länder warten, die Kommunen warten auch und stellen ihre Investitionen zurück, weil sie nicht wissen, wofür es am Ende Bundesmittel gibt und wofür nicht.“

Was sollte die Plattform ella@bw leisten?

Mit ella@bw sollte ein digitaler Basisdienst zur Kommunikation und Kooperation für Lehrer und Schüler zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören dienstliche E-Mail-Adressen für alle Lehrkräfte, Kalenderfunktionen, ein sicherer Cloudspeicher und eine Videokonferenzfunktion. Das Ganze sollte unabhängig von Endgeräten oder Betriebssystemen genutzt werden können.

Und was wird unter diesen Umständen aus ella@bw?

Dem Kultusministerium zufolge haben die Projektpartner zwischenzeitlich einen externen Sachverständigen hinzugezogen, der die technische Realisierbarkeit prüft. Ein neuer Zeitplan hängt vom Ergebnis dieser Prüfung ab.

Was macht das Kultusministerium in Sachen Digitalisierung?

Landesweit wird an allen weiterführenden Schulen das Fach Informatik eingeführt, der Aufbaukurs Informatik läuft seit diesem Schuljahr bereits an den allgemeinbildenden Gymnasien und startet zum Schuljahr 2018/2019 auch an Haupt- und Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen und Realschulen.