Politik

Politbarometer September III 2017 (KW 37, Teil I)

Drei-Parteien-Bündnisse mehrheitlich abgelehnt

Politische Stimmung in Deutschland

In der aktuellen politischen Stimmung gibt es erneut vor allem bei den großen Parteien Verschiebungen, so dass sich die Differenz zwischen den Unionsparteien und der SPD weiter verringert: Die CDU/CSU verliert deutlich und kommt aktuell nur noch auf 34% (-5), die SPD legt dagegen erneut zu und erhält 28% (+4). Die Linke erhält konstante 9%, die Grünen verlieren einen Prozentpunkt und liegen bei 8%, die FDP gewinnt zwei Prozentpunkte und liegt bei 11%. Die AfD verzeichnet weiterhin 7%, die sonstigen Parteien in der Summe erreichen 3%.*

Da mit Umfragen aber immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung am Wahltag Ende nächster Woche nicht zulässig.

Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Ver­gleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen poli­tischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.

Dieser errechneten Projektion liegen die Erkenntnisse über die langfristige, sozialstrukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundestagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Berücksichtigt wird dabei auch die fehlende Bekenntnisbereitschaft von den Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums.

Veränderungen gibt es auch in der Projektion. Wäre bereits am Sonntag Bundestagswahl, läge die CDU/CSU weiterhin im Abwärtstrend und käme auf 36% (-2), für die SPD ginge es leicht aufwärts auf 23% (+1). Die Linke würde weiterhin 9% erreichen, die Grünen blieben ebenfalls konstant bei 8%, die FDP und die AfD würden aktuell jeweils einen Punkt zulegen und kämen jeweils auf 10%. Auf die sonstigen Parteien entfielen insgesamt 4% (-1). Damit hätte neben einer großen Koalition nur ein Bündnis aus CDU/CSU, Grünen und FDP eine klare Mehrheit.

Sicherheit der Wahlentscheidung

Dass diese Projektion nur eine aktuelle Momentaufnahme gut eine Woche vor der Bundestagswahl sein kann, unterstreicht – abgesehen von unvorhersehbaren innen- oder außenpolitischen Entwicklungen, Mobilisierungseffekten, kurzfristigen koalitionstaktischen Überlegungen oder den statistischen Fehlerbereichen – ein grundsätzlich hohes Maß an Unsicherheit. Aktuell geben 61% an (September-II: 58%), sich auf eine Partei festgelegt zu haben. Insgesamt 39% (September-II: 42%) wollen ihre aktuelle Präferenz eventuell ändern bzw. wissen überhaupt noch nicht, ob oder wen sie wählen werden. Im Detail sind auch 18% mit aktueller CDU/CSU-, 22% mit SPD-, 14% mit Linke-, 34% mit Grünen-, 13% mit FDP- und 16% mit AfD-Wahlabsicht unsicher, ob sie am 24. September tatsächlich abstimmen werden, wie sie es bei der Wahlabsicht geäußert haben.

Interesse an der Bundestagswahl

72% der Wahlberechtigten geben aktuell an, sich stark (48%) oder sehr stark (24%) für das Wahlgeschehen zu interessieren. 28% sind daran weniger (26%) oder überhaupt nicht interessiert (2%). Am stärksten ist das Desinteresse dabei mit 75% unter potenziellen Nichtwählern. Damit ist das Interesse in der Gesamtbevölkerung stärker als vor vier Jahren. 2013 gaben gut eine Woche vor der Wahl 66% an, dass sie sich stark (47%) oder sehr stark (19%) für die Wahl interessieren, 34% hatten damals weniger (31%) oder kein (3%) Interesse. Männer (74%) sind etwas interessierter als Frauen (70%), Befragte mit Abitur (78%) oder Hochschulabschluss (89%) sind interessierter an der Wahl als Befragte mit geringeren Bildungsabschlüssen (Hauptschule: 59%; mittlere Reife: 74%).

Bewertung von Koalitionsmodellen

Wenn die Deutschen – ganz unabhängig von aktuellen Parteistärken und  Mehrheiten – verschiedene Regierungsmodelle für die nächste Legislaturperiode bewerten, ist die Rückmeldung bei keiner Koalition mehrheitlich positiv. Gespalten sind die Befragten sowohl bei der großen Koalition als auch bei einem schwarz-gelben-Bündnis. Schwarz-Grün und alle Drei-Parteien-Bündnisse werden durchweg mehrheitlich abgelehnt, wobei die Kritik gegenüber Rot-Rot-Grün stärker ausfällt als bei einer Ampel- oder einer Jamaika-Koalition.

Im Detail fänden es 40% aller Befragten gut und 42% schlecht (egal: 16%), wenn nach dem 24. September Union und SPD weiterhin regierten. Ein Bündnis aus CDU/CSU und FDP trifft bei 39% auf Zustimmung und bei 40% auf Ablehnung (egal: 19%). Schwarz-Grün bewerten 30% positiv (schlecht: 44%; egal: 23%), eine Regierung aus CDU/CSU, Grünen und FDP kommt bei 25% gut an, bei 52% schlecht und 21% ist es egal. Ähnlich hoch ist die Ablehnung bei einer Ampel-Koalition: Diese fänden 22% gut (schlecht: 53%; egal: 22%). Die stärkste Kritik gibt es schließlich mit 63% bei einer Koalition aus SPD, Linke und Grünen (gut: 24%; egal: 11%). Im Lager der Unionsanhänger würden 51% eine schwarz-rote Neuauflage begrüßen, bei den SPD-Anhängern 45%. Die stärkste Zustimmung im Unionslager hat eine Koalition aus CDU/CSU und FDP (69%), im SPD-Lager wird Schwarz-Rot ähnlich favorisiert wie eine Ampel (44%). 

(Quelle: Forschungsgruppe Wahlen)

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