Politik

Studie Grüne warnen vor künftigen Wasserkonflikten

Dritte Dürre in Folge

Leipzig/Berlin.Der Sommer hat gerade angefangen, doch schon stellt das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung fest: 2020 wird zum dritten Dürrejahr in Folge. Selbst starke Niederschläge in der zweiten Jahreshälfte würden die Wasserdefizite nicht mehr auffangen können. Die Grünen, die am Montag zahlreiche Fachverbände zum ersten Mal zu einem „Dürredialog“ eingeladen hatten, auf dem die Daten präsentiert wurden, forderten die Politik auf, das Thema ganz nach oben zu setzen.

Im März und April habe es nur vier Prozent der durchschnittlichen Niederschläge gegeben; auch der Mai war zu trocken. Selbst durch baldigen Regen könne das Dezifit so schnell nicht ausgeglichen werden, so die Leipziger Forscher. Aus den Daten von 2500 Wetterstationen erstellt das Helmholtz-Zentrum täglich Karten (www.ufz.de).

Niedrigwasser droht

Daraus ergibt sich, dass die Böden vor allem in den östlichen Bundesländern, im Rheinland und in Oberbayern derzeit bis in 1,8 Metern Tiefe außergewöhnlich ausgetrocknet sind. In Bayern gibt es Reserven an Oberflächenwasser für die Landwirtschaft, im Osten Deutschlands hingegen vielerorts nicht mehr.

Bei der Oberflächenfeuchtigkeit bis 25 Zentimeter sind aktuell West-Niedersachsen und Vorpommern am trockensten. Die Forscher erklärten, die Lage habe Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche. So steige in Dürresommern die Flusstemperatur auf 25 Grad und mehr – mit negativen Folgen für die Fischbestände aber auch für Kraftwerke, die Kühlwasser brauchen. Niedrigwasser könne wie schon 2018 zu Einschränkungen der Binnenschifffahrt und damit der Versorgung großer Industriekomplexe mitRohstoffen führen. Die Waldbrandgefahr nimmt zu, der Ertrag der Felder hingegen ab.

Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, sagte zunehmende Nutzungskonkurrenzen voraus. Diese seien bei dem Fachtreffen zwischen den Vertretern der Landwirtschaft und der Wasserversorger schon deutlich geworden. Es drohten sogar Auseinandersetzungen um das Trinkwasser. „Die Politik muss sich dringend mit dem Thema auseinandersetzen“, meinte Krischer und ergänzte: „Wir brauchen eine systematische Dürrepolitik.“

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