Politik

Gedenken Stadt Kassel reagiert auf Kritik wegen Absage

Ehrung der Opfer rechten Terrors

Kassel.Rund 300 Menschen haben gestern in Kassel mit einer Schweigeminute und Blumen an das NSU-Opfer Halit Yozgat erinnert. Sie versammelten sich auf dem Halitplatz, der nach dem ermordeten türkischstämmigen Besitzer eines Internetcafés benannt ist. Im Jahr 2006 wurde Yozgat mutmaßlich von der rechten Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) getötet. Die Polizei war vor Ort, um die Veranstaltung zu schützen. Das Gedenken lief aber ohne Zwischenfälle ab.

Ziel des Unmuts vieler Teilnehmer blieb die Stadt. Die hatte eine städtische Gedenkveranstaltung für Yozgat wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Angesichts antitürkischer Proteste und Anschläge – in Kassel flogen Ende März Brandsätze auf eine Moschee – befürchtete man eine Störung der Veranstaltung.

Familie abwesend

Die Familie des Opfers war gestern nicht anwesend. „Für uns zählt das friedliche Miteinander und dass kein Bürger der Stadt Kassel zu Schaden kommt“, schrieb der Vater des Mordopfers unter Hinweis auf die befürchteten Unruhen.

Doch die Absage der städtischen Gedenkveranstaltung löste Verwirrung aus. Denn die Stadt ist nicht alleiniger Veranstalter. Traditionell ist die Initiative „6. April“ mit im Boot. Sie setzt sich für eine Aufarbeitung der NSU-Morde ein und hatte eine Kundgebung zur selben Zeit angemeldet – die nicht abgesagt war. Darüber verlor die Stadt kein Wort.

Der Oberbürgermeister Kassels, Christian Geselle (SPD), reagierte gestern Morgen: Auch ohne offizielle Gedenkveranstaltung werde man innehalten, sagte er und erklärte: „Wir lassen nicht zu, dass durch politische Instrumentalisierung das Ansehen unseres Mitbürgers Halit Yozgat beschädigt wird.“ dpa