Politik

Ein Anfang

Archivartikel

 

Bei der Beschreibung von vollzugsfremden Aufgaben der Polizei sind die Grenzen fließend. Seit Jahren wird zum Beispiel über den Polizeischutz bei Fußballspielen gestritten. Allein bei den Spielen in Baden-Württemberg fielen da in der Saison 2017/2018 gut 120 000 Einsatzstunden an. Umgerechnet entspricht das 75 Beamten, die sich um nichts anderes kümmern als die Sicherheit in und rund um die Stadien.

Weitgehend im Dunkeln laufen dagegen die Einsätze der Polizei bei der Begleitung von Großraum- und Schwertransporten. Denn die finden aus guten Gründen meistens nachts statt, wenn wenig Verkehr ist. Immerhin 50 000 Stunden verbrachten Polizisten im vergangenen Jahr mit dieser Aufgabe, die wenig zur allgemeinen Sicherheit der Bürger beiträgt. Der Modellversuch zur Übertragung der Transportbegleitung auf eigens qualifizierte Firmen zeigt die Möglichkeiten zur Entlastung der Polizei auf. Noch ist das nur auf besonders ausgewählten Strecken erlaubt, für die detaillierte Ablaufpläne durch die Verkehrsbehörden erstellt werden. Das klingt ziemlich bürokratisch. Aber niemand will ein Risiko eingehen, dass doch einmal etwas passiert. Schon zur Halbzeit der Testphase zeichnet sich für alle Beteiligten aber der Erfolg ab. Gemessen in Einsatzstunden ist das bisher jedoch nur ein Anfang.

In ungewohnter Flexibilität prüft das Verkehrsministerium schon vor Ablauf des Jahres die Möglichkeit, privat geführte Schwertransporte auf weiteren Strecken zu erlauben. Und warum sollte man zumindest auf ungefährlichen Strecken mit wenig Verkehr den Privaten nicht auch die Verkehrsregelung übertragen? Einen Versuch wäre das allemal wert.