Politik

Migration Deutschland und zehn andere EU-Länder zur Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen aus Moria bereit / Kritik von Grünen und Linken

„Ein erster Schritt – weiterer wird folgen“

Berlin.Nach dem Großbrand im Migrantenlager Moria auf der griechischen Insel Lesbos wollen Deutschland, acht weitere EU-Staaten und die Schweiz zusammen 400 unbegleitete Minderjährige aufnehmen. Die Linkspartei und die Grünen halten das für nicht ausreichend. 150 Europaabgeordnete warnten eindringlich vor dem Wiederaufbau des Camps und mahnen die Aufnahme der rund 13 000 Migranten durch andere EU-Staaten an.

Die griechischen Behörden begannen auf Lesbos am Freitag mit der Errichtung eines provisorischen Zeltlagers. Darin soll bis auf Weiteres ein Großteil der mehr als 12 000 Migranten untergebracht werden, die durch die Zerstörung des Lagers Moria obdachlos geworden sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll das Zeltlager auf einem Schießübungsfeld der griechischen Armee errichtet werden, nur wenige Kilometer nördlich der Inselhauptstadt Mytilini.

Ankunft zum Monatsende

„Unsere Kontakte mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben bis zur Stunde dazu geführt, dass sich mit uns zehn europäische Mitgliedsländer an den Hilfen – das heißt an der Umsiedlung für die unbegleiteten Minderjährigen – beteiligen“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin. Man sei noch mit weiteren Ländern im Gespräch. Seehofer präzisierte, dass sich unter den aufnahmewilligen Staaten auch die Schweiz befindet, die nicht Mitglied der EU ist.

Ein Großteil der Menschen – je 100 bis 150 – werde von Deutschland und Frankreich aufgenommen, erklärte der Minister. In Deutschland sei eine Ankunft der Jugendlichen spätestens bis Monatsende geplant. Eine genaue Zahl könne aber erst genannt werden, wenn die Gespräche mit den anderen EU-Staaten abgeschlossen seien. „Die 400 Minderjährigen sind ein erster Schritt und diesem ersten Schritt wird ein weiterer folgen“, erklärte Seehofer.

Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hält das für nicht ausreichend, Deutschland solle mehr Migranten aus Griechenland aufnehmen. Die Linksfraktion forderte, Deutschland solle in einem ersten Schritt alle Menschen, die durch die Brände in Moria obdachlos wurden, aufnehmen, soweit diese nicht in andere aufnahmebereite Länder möchten. Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ute Vogt, lobte Seehofer dafür, dass dieser sich seit einem Jahr um europäische Lösungen in der Migrationspolitik bemühe. dpa

Zum Thema